GERECHTE GESUNDHEIT


30.04.2008

Privatpatienten

Beschwerden beim Ombudsmann nehmen deutlich zu

Berlin – Immer mehr Patienten melden sich beim unparteiischen Streitschlichter der Privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Im Vergleich zu 2006 nahmen die Fälle um 13 Prozent zu.

Darüber informiert der Ombudsmann der Versicherungsunternehmen, Dr. Helmut Müller, in seinem Tätigkeitsbericht 2007. Den Anstieg von 3.517 auf 3.974 Beschwerden begründet er damit, dass die Unternehmen bei der Kostenübernahme wählerischer geworden seien. „Aufgrund der rasant steigenden Gesundheitskosten ist es den Versicherern nicht mehr möglich, Kulanzleistungen in dem Umfang zu erbringen, wie dies noch vor einigen Jahren der Fall war“, heißt es in dem Rapport. Sechs Jahre gibt es das Amt des Streitschlichters schon und seit 2003 nimmt die Beschwerdezahl kontinuierlich zu.

Erfolgsquote gesunken

Mit ihren Beschwerden konnten sich die Versicherten nur mäßig durchsetzen: Der Anteil erfolgreicher Eingaben sank gegenüber 2006 von 35 auf 28,5 Prozent. Gescheitert sind Privatpatienten beispielsweise mit Beschwerden, die sich gegen Prämienerhöhungen der Unternehmen wendeten.
Der Ombudsmann beobachtet bei den Versicherten die Tendenz, die Police für die private Lebensgestaltung in Anspruch zu nehmen. So führe etwa der boomende Gesundheitsmarkt jenseits des medizinisch Notwendigen zu Abgrenzungsschwierigkeiten. Beispielhaft nennt Müller Wellness und Rehabilitation, Kuren, alternative Medizin, Kosmetik sowie Nahrungsergänzungsmittel. Aber auch bei Wunschbehandlungen im Krankenhaus oder psychotherapeutischen und physiotherapeutischen Sitzungen stelle sich oftmals die Frage nach der medizinischen Notwendigkeit. Dies lasse sich „immer nur im Einzelfall bestimmen und erweist sich als ein weites Feld mit großem Auslegungsspielraum“.

Die Funktion des Ombudsmanns

Beschwerden nimmt der Ombudsmann der Privaten Kranken- und Pflegeversicherung an, wenn sie sich gegen die Mitglieder des Verbandes der privaten Krankenversicherung wenden oder gegen Berater, die Versicherungsaufträge vermitteln. Sie können per Post oder im Internet eingereicht werden. Der unabhängige Vermittler versucht den Streit zu schlichten. Die Versicherten gehen dabei keine Verpflichtung ein und können zum Beispiel auch nach einem Schiedsverfahren noch Klage einreichen. 2007 sind im Durchschnitt 26 Wochen vergangen, bis ein Versicherter erfuhr, ob der Ombudsmann in seinem Fall helfen kann.

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