GERECHTE GESUNDHEIT


18.06.2008

Aktionsbündnis

Wahlfreiheit bei medizinischen Hilfsmitteln

Berlin – Das Aktionsbündnis „meine Wahl!“ hat eine bundesweite Kampagne gestartet, um die Wahlfreiheit bei medizinischen Hilfsmitteln zu erhalten. Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von Menschen mit Behinderungen, Selbsthilfevereinigungen, Hilfsmittelherstellern und Versorgungspartnern wie Sanitätshäusern und Homecare-Unternehmen.

Ab dem 1. Januar 2009 soll die Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln wie Bandagen, Prothesen oder Produkten zur Inkontinenz- oder Stomaversorgung ausschließlich durch Vereinbarungen zwischen Krankenkassen und wenigen festen Vertragspartnern organisiert werden. Das sieht die jüngste Gesundheitsreform, das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG), vor. Im Klartext bedeutet das: „Nur noch die Krankenkasse entscheiden, welcher Versorgungspartner für Betroffene der Richtige ist“, so das Bündnis. Es kritisiert, dass durch diese Regelung das Recht der Versicherten auf Mitsprache bei der Hilfsmittelversorgung ignoriert werde.

Womit müssen Betroffene rechnen?

„Die meisten Betroffenen wissen noch gar nicht, was im nächsten Jahr auf sie zukommt“, sagt Dr. Martin Danner, Referatsleiter Gesundheitspolitik der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Selbsthilfe. Er glaubt, dass viele ab 2009 ihre Hilfsmittel nicht mehr vom gewohnten Sanitätshaus oder Homecare-Unternehmen beziehen könnten. Das bedeute auch, dass sie wahrscheinlich nicht mehr das gewohnte Produkt und die vertraute Betreuung und Beratung erhielten. „Erste Erfahrungsberichte zeigen, dass bei einer Versorgung durch den preisgünstigsten Anbieter die Bedürfnisse von Patienten mit hohem Versorgungsaufwand nicht hinreichend berücksichtigt werden“, so Danner.
Auch Christiana Hennemann, Vorstandssprecherin von rehaKind e.V., betont die Bedeutung einer individuellen bedarfsgerechten Versorgung. „Die spezifische, eigene Behinderung und die ganz persönlichen Einschränkungen müssen berücksichtigt werden.“ Gerade Kinder benötigten wegen ihres im Wachstum extrem formbaren Körpers individuell angepasste Hilfsmittel, um Fehlentwicklungen zu vermeiden. „Eine optimale Hilfsmittelversorgung erfolgt immer in Absprache mit Eltern, Therapeuten und Ärzten“, unterstreicht Hennemann.

„meine Wahl!“

Nach Angaben von „meine Wahl!“ sind in Deutschland sechs Millionen Menschen auf medizinische Hilfsmittel angewiesen. Insgesamt 26 Unternehmen und Organisationen unterstützen das Bündnis, darunter die Deutsche Kontinenz Gesellschaft, der Deutsche Rollstuhl-Sportverband e.V., die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten e. V. und die Internationale Fördergemeinschaft Kinder- und Jugendrehabilitation, rehaKind e.V.

Zurück zur Übersicht