GERECHTE GESUNDHEIT


24.02.2009

Medizinischer Dienst

Qualitätsprüfungen mit zu hohen Preisen?

Berlin – Mit einer Hochrechnung für die Kontrolle der Pflegequalität in Heimen geht der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.v. (bpa) an die Öffentlichkeit. In einer groben Überschlagsrechnung ermittelt der Verband einen Aufwand von 81 Millionen Euro jährlich allein für die regulären Qualitätskontrollen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Dies sei unwirtschaftlich.

Wie der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) auf Nachfrage des bpa zu den Kosten bei Qualitätsprüfungen mitgeteilt hat, liegen die bundeseinheitlichen Kostenerstattungssätze für die MDK-Prüfer bei pauschal 900 Euro je Tag für eine Pflegefachkraft und 1.200 täglich für den ärztlichen Gutachter. Die darauf beruhende vom bpa erstellte Hochrechnung ergibt bei 22.500 Pflegeeinrichtungen insgesamt 81 Mio. Euro jährlich. Jede Qualitätsprüfung dauert in der Regel zwei Tage und werde in der Regel durch zwei MDK-Pflegefachkräfte abgenommen. Diese Kosten werden aus den Beiträgen zur Pflegeversicherung getragen. bpa-Präsident Bernd Meurer fordert eine wirtschaftliche Angemessenheit und Transparenz. Für eine derart großzügige Kostenberechnung seitens des MDK hat er kein Verständnis. Egal ob es sich um eine reguläre oder eine durch die Einrichtung selbst beantragte Qualitätsprüfung handelt: „Die Höhe der Kostensätze ist nicht nachvollziehbar und erscheint wenig gerechtfertigt, wenn
man vergleicht, dass ein Sachverständiger, der ein Gutachten durchschnittlichen Schweregrades durchführt, nach dem Gesetz über die Vergütung von Sachverständigen für seine Leistung 60 Euro je Stunde, also 480 Euro am Tag, erhält. Der MDK berechnet mindestens das Doppelte.“
Wenn der vom MDK zugrunde gelegte Tagessatz von 900 Euro tatsächlich wirtschaftlich und leistungsgerecht ist, müsste dieser auch eine Kalkulationsgröße für die ebenso gut ausgebildeten, verantwortlichen Pflegefachkräfte der Einrichtungen bilden. Für eine Pflegedienstleitung müssten dann von den Pflegekassen 18.000 Euro im Monat akzeptiert werden. Der bpa selbst nennt keine Gehaltshöhe, die für vergleichbar qualifizierte Kräfte gezahlt wird. Das Portal „gehaltsvergleich.com“ nennt einen Durchschnittsverdienst von knapp 2.700 Euro.

Zurück zur Übersicht