GERECHTE GESUNDHEIT


07.09.2009

Schwangerschaftsdiabetes

IQWiG sieht positiven Effekt von Routineuntersuchung

Berlin – Frauen, die im Laufe ihrer Schwangerschaft deutlich erhöhte Blutzuckerwerte entwickeln, können durch Behandlung das Risiko bestimmter Geburtskomplikationen verringern. Damit sei eine Voraussetzung gegeben, Schwangeren eine Routineuntersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes anzubieten, schlussfolgert das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in seinem Abschlussbericht.

Schon heute wird den meisten Schwangeren in Deutschland unsystematisch ein Blutzuckertest vorgeschlagen, um diejenigen Frauen zu erkennen, bei denen im Verlauf der Schwangerschaft die Blutzuckerwerte zu stark ansteigen. Diesen Test müssen die Frauen aber oft selbst bezahlen. In einem vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beauftragten Projekt ist das IQWiG der Frage nachgegangen, ob allen gesetzlich krankenversicherten Schwangeren diese Reihenuntersuchung routinemäßig kostenlos angeboten werden soll.
Das Institut sieht in seinem Bericht zwar einen Hinweis, dass ein solcher Test das Risiko von Komplikationen bei der Geburt reduzieren kann. Allerdings müssen dafür Voraussetzungen erfüllt sein, die bislang in Deutschland nicht immer gegeben sind. „Wir können nicht sicher sein, dass die Tests, so wie sie derzeit in den Praxen eingesetzt werden, mehr nutzen als schaden“, sagt Prof. Dr. Peter T. Sawicki, Leiter des IQWiG.

Behandlung kann positive Effekte haben

Das Institut hat insgesamt 25 Studien ausgewertet. Daraus ergab sich ein Hinweis, dass bei Schwangeren mit einer ausgeprägten Störung des Zuckerstoffwechsels eine Behandlung das Risiko bestimmter seltener Geburtskomplikationen verringert. Dazu gehören so genannte Schulterdystokien, d.h. eine Verzögerung der Geburt, durch die dem Kind ein Sauerstoffmangel droht. Auch wenn ein Hinweis auf einen Nutzen einer Behandlung existiert, bedeutet das nicht automatisch, dass auch eine Reihenuntersuchung sinnvoll ist, um Schwangere mit Gestationsdiabetes zu erkennen. Obwohl einige Fachgesellschaften seit Jahren solch ein Screening empfehlen, sind mögliche Schäden bislang nicht ausreichend untersucht. Angesichts dieser Unsicherheit hat das Institut mögliche Nachteile betrachtet. Potenzielle Risiken wurden jedoch nicht als so schwerwiegend bewertet, dass sie den möglichen Nutzen aufwiegen könnten. Indirekt leitet das Institut deshalb einen Hinweis ab, dass eine Reihenuntersuchung auf Gestationsdiabetes zu einer Reduktion perinataler Komplikationen führt.
Überfällig ist aus Sicht des IQWiG eine Studie, die die Vor- und Nachteile verschiedener Screeningstrategien für Mutter und Kind direkt miteinander vergleicht. „Angesichts von über 600.000 Schwangerschaften pro Jahr in Deutschland könnte solch eine Studie relativ schnell stattfinden“, meint der Instituts-Leiter.

Zurück zur Übersicht