GERECHTE GESUNDHEIT


07.03.2011

Psychoanalytiker

Priorisierung nicht auf Kosten psychisch Kranker

„Die angemessene Versorgung psychisch kranker Menschen muss im Vordergrund der Gesundheitspolitik stehen und darf durch die Debatte um die Priorisierung nicht gefährdet werden“, fordert Dr. Gabriele Friedrich-Meyer, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT).

Bei der Debatte um die Priorisierung werde der Schweregrad einer Erkrankung als Argument für die optimale Verwendung der knappen Mittel im Gesundheitswesen eingeführt. „Berücksichtigt man ausschließlich den Schweregrad, wird man den subjektiven Belastungen der Patienten in keiner Weise gerecht“, erläutert Friedrich-Meyer. Sie kritisiert, dass Politik und Krankenkassen darauf beharren, dass die bessere Ausschöpfung von Ressourcen und die Verbesserung der Effizienz auch bei der Behandlung psychischer Erkrankungen ausreichend seien, um den Versorgungsstandard beibehalten zu können. Ferner sei der bevorzugte Einsatz finanzieller Mittel zu Gunsten der apparativen oder pharmazeutisch dominierten Medizin langfristig eher schädlich, so die Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
Sie verweist auf die erheblich steigende Morbidität psychischer Erkrankungen – umso wichtiger sei es, ausreichende Mittel für die Behandlung der Patienten zur Verfügung zu stellen. „Dies muss das vordringliche und gemeinsame Ziel aller Berufsgruppen sein, die an der Behandlung psychisch kranker Menschen beteiligt sind“, bekräftigt Friedrich-Meyer.

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