GERECHTE GESUNDHEIT


07.11.2011

Organspende

DGGÖ plädiert für Bonus-Malus-Regelung

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (DGGÖ) befürwortet bei der Organspende die so genannte Entscheidungslösung, auf die sich die Gesundheitsminister der Bundesländer geeinigt haben. Um ein höheres Spendenaufkommen zu erzielen, seien allerdings wichtige Ergänzungen notwendig.

„Die Entscheidungslösung allein wird nicht dazu führen, dass mehr Menschen sich als Spender zur Verfügung stellen“, sagt Prof. Friedrich Breyer vom Vorstand der DGGÖ. Er kritisiert, dass es keinen Anreiz dafür gibt, seine Organe zu spenden. Dem möchte die DGGÖ durch ein Bonus-Malus-System begegnen. Diejenigen, die selbst zum Spenden bereit sind, sollen einen Bonus bekommen, falls sie selbst erkranken und ein Spendeorgan benötigen. Damit rücken sie auf der Warteliste für Transplantationen weiter nach oben. Umgekehrt erhalten Personen, die eine Entnahme nach ihrem Tod ablehnen, einen Malus und werden bei einer notwendigen Transplantation erst später berücksichtigt. Diejenigen, die erst ihre Bereitschaft zur Organspende bekunden, wenn sie selbst eine Transplantation benötigen, müssten eine Wartezeit in Kauf nehmen, so die Idee. „Diese Regel der Reziprozität, also der Gegenseitigkeit, wird dazu führen, dass sich die Bürger bei ihrer Entscheidung auch in die Rolle eines potenziellen Empfängers versetzen“, hofft Breyer. Neben der Bonus-Malus-Regelung schlägt die DGGÖ vor, ein bundesweites Spenderegister einzurichten. Darin sollen sowohl positive als auch negative Erklärungen zur Spendenbereitschaft dokumentiert werden. Wenn bei einem Patienten ein Hirntod festgestellt werde, könne das Krankenhaus direkt beim Spenderegister anfragen, ob der Patient Organspender ist. Dies erspare die für alle Beteiligten belastenden Angehörigengespräche. Darüber hinaus zerstreue es die Sorgen vieler Patienten, dass sie als potenzielle Spender schlechtere Überlebenschancen hätten, da erst nach Eintritt des Todes die Erklärung zur Organspende abgefragt würde, so Breyer.
Die Gesundheitsminister der Bundesländer hatten sich im Juni auf die so genannte Entscheidungslösung geeinigt, nach der jeder Bürger einmal im Leben erklären soll, ob er nach seinem Tod seine Organe spenden möchte oder nicht. Die Bundesregierung hat das Signal ausgesendet, eine schnelle Lösung umsetzen zu wollen. Wie das genau aussehen soll, ist noch unklar. In Deutschland sterben jedes Jahr über 1.000 Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Spendeorgan erhalten. Mit 15,9 postmortalen Organspendern pro einer Million Einwohner liegt Deutschland im internationalen Vergleich im hinteren Mittelfeld.

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