
Berlin – Für den Ausbau der Kostenerstattung haben sich in einem persönlichen Gespräch Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler und Bundesärztekammer-Präsident Prof. Jörg-Dietrich Hoppe ausgesprochen.
Aus Sicht von Rösler und Hoppe ermöglicht Kostenerstattung mehr Transparenz über das Leistungsgeschehen, fördert das Kostenbewusstsein bei allen Beteiligten und ist eine wichtige Voraussetzung für eine gezieltere Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Das Konzept entspreche wiederholten Forderungen Deutscher Ärztetage nach einer stärkeren Erprobung sozialverträglicher Kostenerstattungs- und Selbstbehalt-Wahltarife im GKV-Bereich, freut sich der BÄK-Vorstand.
Ob die Kostenerstattung wirklich Transparenz bringt, ist allerdings höchst umstritten. Die von FDP und Ärzteschaft gepflegte Vorstellung, die Kostenerstattung beziehungsweise die damit verbundene direkte Rechnungsstellung führe beim Versicherten nicht nur zu mehr Transparenz und Kostenkenntnis, sondern auch zu einer „kostenbewussteren“ Leistungsinanspruchnahme, nennt zum Beispiel Dr. Klaus Jacobs „schlicht falsch“. Darüber gebe es unter Gesundheitsökonomen „keinerlei Dissens“, schreibt der Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) in einem Papier zum Thema. Zwar könne die Kostenerstattung die Leistungsinanspruchnahme der Versicherten bremsen. Allerdings nicht wegen der Kostentransparenz, sondern aufgrund einer zusätzlichen, direkten Kostenbeteiligung der Patienten, sei es in Form von prozentualen Selbstbehalten, Mehrkostenregelungen oder dergleichen.
Neben der Kostenerstattung haben sich Hoppe und Rösler über die Sicherung der flächendeckenden Versorgung verständigt. Um das zu erreichen, sind neben der Weiterentwicklung der Bedarfsplanung, bei der die Ärztekammern in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren eine Moderatorenrolle einnehmen sollen, insbesondere auch Anreize bei der Vergütung und Ausbildung im Gespräch. Ziel ist es, die Attraktivität des Arztberufes wieder zu erhöhen. Unterstützung sagt Hoppe dem Minister auch bei der Verbesserung der Gesundheitsversorgung durch eine zielgerichtete Präventionsstrategie zu. So soll eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet werden, die wichtige Präventionsziele definiert. Beide Seiten sind sich einig, dass den ambulanten Ärzten bei Präventionsmaßnahmen eine Schlüsselrolle zukommt.