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24.02.2012

Neurodermitis

Einkommen entscheidet über Versorgung

Berlin – Sozial schwach gestellte Menschen, die an Neurodermitis erkrankt sind, haben eine schlechtere Lebensqualität als Besserverdienende. Dies ist das Ergebnis einer Studie zu Krankheitsmerkmalen und Versorgung der Neurodermitis, wie die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) mitteilt.

93 Prozent der befragten Patienten litten trotz weitgehend leitliniengerechter Therapie unter Juckreiz, so ein Ergebnis der Studie. Als Folge trete bei über einem Viertel der Befragten häufig oder sogar immer Schlaflosigkeit auf. Dabei sei die Neurodermitis nicht als schwere Krankheit anerkannt. Dies bringe für die Betroffenen Nachteile mit sich, da die topischen Basistherapeutika, also die für Neurodermitiker notwendigen täglichen Pflegemittel, derzeit von der so genannten OTC-Regelung betroffen seien. Das bedeute, dass sie zwar apothekenpflichtig sind, aber die Kosten nicht von den Krankenkassen übernommen werden. „Sozial schwächer gestellte Erkrankte können sich die Salben nicht leisten und haben deswegen Einbußen in der Versorgung und der Lebensqualität“, sagt Prof. Dr. Matthias Augustin, Direktor Competenzzentrum Versorgungsforschung in der Dermatologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Verbesserungswürdig sei außerdem der Einsatz von kortisonfreien, äußerlich anwendbaren Medikamenten zur Stabilisierung der Immunabwehr der Haut (topische Immunmodulatoren). Auch im Bereich der Präventionsmaßnahmen zeige die Studie die Defizite in der Versorgung auf. Bisher nähmen nur 12 Prozent der Befragten an einer Neurodermitis-Schulung teil. Auch hier würden die Kosten von den Krankenkassen nicht übernommen. Auf Basis dieser Datenlage fordert Augustin, dass für schwere Formen der Neurodermitis die Krankenkassen die notwendigen Medikamente erstatten. Topische Basistherapeutika und Harnstoffpräparate gehörten auf die OTC-Ausnahmeliste. Auch höherpreisige Arzneimittel müssten durch den Dermatologen ohne Regressprobleme verordnet werden können, wenn nur diese Medikamente einen Nutzen für den Patienten haben.
Die Studie „Atopic Health3“ befragte bundesweit 1.678 Patienten und ihre behandelnden Ärzte zur Ausprägung der Krankheit, der medizinischen Versorgung und dem Einfluss der Erkrankung auf die Lebensqualität.

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Prof. Dr. Matthias Augustin fordert, dass die Krankenkassen die Kosten für topische Basistherapeutika für Patienten übernimmt, die schwer an Neurodermitis erkrankt sind. © pag

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