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20.04.2012

Psychosen

Patienten erhalten selten bestmögliche Behandlung

Berlin – Evidenzbasierte Leitlinien empfehlen für psychotisch kranke Menschen immer auch Psychotherapie als wirksame Behandlungsmethode. In der Realität dominiert jedoch eine einseitige Pharmakotherapie, kritisiert die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK).

Die aktuelle Leitlinie Schizophrenie des britischen National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) weise ausdrücklich darauf hin, dass Psychotherapie den Patienten in allen Phasen der Erkrankung angeboten werden sollte, sagt BPtK-Präsident Prof. Dr. Rainer Richter. Die Wirksamkeit der Psychotherapie für die Behandlung sowohl der akuten psychotischen Symptome als auch der Defizite in Emotionalität und sozialen Kontakten und zur Rückfallvorbeugung sei wissenschaftlich gut belegt. „Es ist inzwischen unstrittig, wie psychotisch erkrankte Menschen behandelt werden müssen“, stellt Richter fest. „Das Problem ist heute, dass diese gesicherten Erkenntnisse noch nicht ausreichend umgesetzt werden. Psychotisch kranke Menschen erhalten selten die bestmögliche Behandlung.“
Menschen mit psychotischen Erkrankungen seien in besonderer Weise auf eine gut abgestimmte sektorenübergreifende Versorgung angewiesen. Moderne Konzepte der Integrierten Versorgung könnten hierbei eine wichtige Brücke bauen. In der regulären ambulanten und stationären Versorgung müssten die Rahmenbedingungen, psychotisch kranke Menschen länger und in größeren zeitlichen Abständen psychotherapeutisch zu versorgen, weiter verbessert werden, so Richter. Bei der Reform der Finanzierung psychiatrischer und psychosomatischer Kliniken müssten psychotherapeutische Leistungen angemessener berücksichtigt werden.

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Prof. Dr. Rainer Richter
© Psychotherapeuten Kammer NRW

Hintergrundinformation

Psychose ist der Oberbegriff für psychische Erkrankungen, bei denen die Realität verzerrt wahrgenommen wird oder der Bezug zur Realität verlorengegangen ist. Schizophrenie ist eine häufige und schwere Form der psychotischen Erkrankung. Häufig leiden die Betroffenen unter akustischen Halluzinationen, d. h., sie hören Stimmen, die andere nicht hören. Einer von 100 Erwachsenen erkrankt in seinem Leben an einer Schizophrenie, in Deutschland sind es zur Zeit rund 800.000 Menschen.

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