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12.09.2008

Reproduktionsmedizin

Neue Möglichkeiten für ungewollt Kinderlose

Berlin – Mehr als eine Millionen Paare in Deutschland sind ungewollt kinderlos, was der künstlichen Reproduktion eine große Nachfrage verschafft. Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) stellt in einem Gutachten ein neues Verfahren vor, das in Skandinavien bereits erfolgreich angewandt wird. In Deutschland verhindert die Rechtslage den Einsatz. Wissenschaftler und Politiker streiten deshalb über eine Gesetzesänderung.

Vor dreißig Jahren wurde mit Louise Brown das erste Kind nach einer künstlichen Befruchtung geboren. Seitdem hat sich in der Wissenschaft viel getan und für den Kinderwunsch von Paaren, die auf natürlichem Wege keinen Nachwuchs zeugen können, gibt es medizinisch ausgereifte Verfahren. Das Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt in einem europaweiten Vergleich, dass auch in Deutschland noch nicht zugelassene Verfahren erfolgreich angewandt werden. Die zum Beispiel in Skandinavien und England praktizierte Methode des eSET (elektiver Single-Embryo-Transfer) kann nach Aussage der Studie das Risiko komplizierter Mehrlingsschwangerschaften verringern. Dabei wird eine Vorauswahl der Embryonen durchgeführt und nur diejenigen mit den besten Chancen auf eine erfolgreiche Implantation in die Gebärmutter eingesetzt. Mehrlingsschwangerschaften sind bei künstlicher Befruchtung besonders häufig, da bisher häufig mehrere Embryonen eingepflanzt werden. Dies würde nach dem neuen Verfahren nur noch in Ausnahmefällen notwendig sein.

Konflikt mit geltendem Recht und ethischen Fragen

Wissenschaftler sind sich einig, dass ein solches Verfahren auch in Deutschland die Erfolgsquote für künstliche Befruchtungen erhöhen könne. Doch nach deutschem Recht dürfen nicht mehr Embryonen erzeugt werden, als zur Implantation geplant sind. Eine Vorauswahl ist nicht möglich. Dies wird mit dem Schutz des Embryos als früheste Form menschlichen Lebens begründet, denn bei der eSet-Methode werden die übrigen Embryonen nach der Auswahl aufgetaut und sterben ab. Die ethische Debatte, die den Schutz des Kindes und der Mutter mit dem Schutz aller erzeugten Embryonen aufwiegen muss, steht noch bevor. Ob diese in einer Änderung des Embryonenschutzgesetzes mündet, lässt Dr. Marlies Volkmer, Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Ausschusses für Gesundheit, bei der Präsentation des Gutachtens offen. „Ein Gesetzgebungsprozess mit solch vielschichtigen moralischen Folgen ist sehr komplex und die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit und im Bundestag kann sich über Jahre hinziehen.“ Die Information der Paare, der Ärzte und der Öffentlichkeit über die Möglichkeiten des neuen Verfahrens und dessen Folgen sei dabei von großer Wichtigkeit.

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Quelle: AOK-Mediendienst

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