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06.08.2010

GKV-Leistungskatalog

Rauchentwöhnung kein Lifestyle-Produkt

Berlin – Rauchentwöhnung muss gesetzlich anders behandelt werden als Haarausfall und sollte von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden. Das haben Gesundheitsökonom Prof. Jürgen Wasem und Lungenarzt Prof. Stefan Andreas in Berlin gefordert.

Der Leistungsausschluss von Rauchentwöhnung als Lifestyle-Produkt sollte kritisch hinterfragt werden, rät Wasem. Er verweist darauf, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) willens wäre, dort etwas zu ändern, aber auf gesetzliche Barrieren stoße. „Ich denke, der Gesetzgeber sollte modifzieren. Zwischen Haarausfall und Erkrankungen, die man durch das Rauchen bekommen kann, bestehen schon ganz erhebliche Unterschiede“, so der Ökonom von der Universität Duisburg-Essen. Damit unterstützen er und Andreas einen Beschluss des Deutschen Ärztetags vom Mai dieses Jahres, der gefordert hatte, den Paragraphen 34 SGB V den aktuellen Tatsachen und wissenschaftlichen Erkenntnissen anzupassen. Zurzeit schließt das Gesetz explizit „Arzneimittel zur Raucherentwöhnung“ aus. Dabei sei heute wissenschaftlich erwiesen, dass Rauchen eine ernsthafte Suchterkrankung und kein Lifestyle sei, sagt Andreas, Leiter der Arbeitsgruppe Tabakprävention bei der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. „Gerade im Hinblick auf die chronisch obstruktive Lungenerkrankung ist eine Tabakentwöhnung nicht nur die wirksamste, sondern auch kosteneffektivste Maßnahme, um das Voranschreiten der Erkrankung zu stoppen und damit – auch kurzfristig – weitere Kosten zu sparen“, fährt er fort.
Das stützt auch eine aktuelle Studie des Gesundheitsökonomen Wasem, der im Auftrag des Pharmaherstellers Pfizer untersucht hat, wie sich Rauchentwöhnung auf die Kosten für das Gesundheitssystem auswirken würde. In Bezug auf die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) verursache ein Raucher demnach bei medikamentöser Entwöhnung 1.338 Euro an restlichen Lebenszeitkosten weniger als ohne. Bei den koronaren Herzerkrankungen sei der Spareffekt mit 2.681 Euro noch deutlicher. Eingerechnet seien dabei sowohl die Mehrkosten durch rauchbedingte Erkrankungen, aber auch die Kosten der Rauchentwöhnung und der Effekt, dass Raucher früher sterben. Das sei zwar eigentlich negativ, „führt aber ökonomisch betrachtet auch zu Ersparnissen. Wir haben also eine Situation, die für Herrn Rösler eine schöne Erfolgsstory sein könnte“, so Wasem. Denn der Wirkstoff Vareniclin zur Rauchentwöhnung führe dazu, dass über den Lebenszyklus betrachtet die Kassen weniger Ausgaben hätten – und die Menschen länger lebten, so der Wissenschaftler. Er verweist darauf, dass es bei längerer Lebenszeit für Patienten meistens um Mehrkosten für das Gesundheitssystem gehe. Bei der Rauchentwöhnung sei es genau umgekehrt. „Zusätzliches Leben kostet kein Geld, sondern spart Geld“, sagt er.

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Raucherentwöhnung muss Bestandteil des GKV-Leistungskatalogs werden. Das forderten Gesundheitsökonom Prof. Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen (vorne) und Lungenarzt Prof. Stefan Andreas, Leiter der Arbeitsgruppe Tabakprävention bei der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, am 5. August in Berlin von der Politik.
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