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10.09.2010

Streitfrage

Rationierung – ja oder nein?

Berlin – Wird im deutschen Gesundheitswesen rationiert oder nicht? Das Thema ist auch innerhalb der Ärzteschaft umstritten. Auf einer Veranstaltung der Friedrich Naumann Stiftung vertreten  Bundesärztekammerpräsident Prof. Jörg-Dietrich Hoppe und Prof. Jörg F. Debatin, Ärztlicher Direktor der Uni-Klinik Hamburg Eppendorf, unterschiedliche Positionen.

„So schlecht ist unser System nicht, das Grundvertrauen der Bevölkerung ist da“, konstatiert Debatin. Und dieses Vertrauen ist nach Einschätzung des UKE-Vorstandsvorsitzenden berechtigt, denn „im Krankenhaus ist uns rationieren fremd“. Jörg-Dietrich Hoppe kann das so nicht stehen lassen. In Hamburg-Eppendorf möge keine Rationierung existieren, „aber in kleineren Krankenhäusern mag es dagegen verdeckte Rationierung geben.“ Ein Beispiel dafür sei, wenn die Klinik billigere Putzkräfte engagiere und dies zu schlechteren Hygienestandards führe. Auch zu wenig Personal fällt nach Hoppe unter die Kategorie heimliche Rationierung. „Wenn die Krankenschwester nachts statt 30 nun 70 Patienten überwachen muss, dann kommt irgendwann jemand zu Schaden.“ Rationierung als Folge personeller Unterbesetzung – im Unterschied zu Hoppe sieht Debatin beim Thema Ärztemangel durchaus Versäumnisse der eigenen Profession. „Die Ärzte konnten die Versorgung nur in Zeiten des Überflusses gewährleisten, nicht aber in Zeiten des Mangels.“
Der Kankenhausvertreter weist außerdem auf die unterschiedliche Sichtweisen von Versicherten und Patienten hin, wenn es um die Finanzierung medizinischer Leistungen geht. Der Versicherte will möglichst geringe Krankenkassenbeiträge zahlen. Dem Patienten ist nichts zu teuer, wenn es um die Behandlung seiner schweren, möglicherweise lebensbedrohlichen Krankheit geht. „Wir müssen uns daher gesellschaftlich überlegen, was uns neue Therapien wert sind“, sagt Debatin und plädiert für Grenznutzen-Analysen – nicht nur für neue Medikamente, sondern medizinische Behandlungen allgemein.

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