
Berlin – Schmerzpatienten in Deutschland sind in hohem Maße schlecht versorgt. Darauf hat Prof. Joachim Nadstawek, Vorsitzender des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD), hingewiesen. In Berlin hat er das „Weißbuch Schmerzmedizin“ vorgestellt.
Die Ergebnisse der BVSD-Ärzte-Umfrage zur Versorgungssituation von Patienten mit chronischen Schmerzen zeige „einen hohen Grad an schmerztherapeutischer Unter- und Fehlversorgung in Deutschland“, sagt Nadstawek. Zwischen den ersten Symptomen einer chronischen Schmerzerkrankung und dem Beginn von qualifizierten schmerztherapeutischen Maßnahmen liegen demnach in Sachsen-Anhalt bis zu acht Jahre, gefolgt von Bremen (6,5 Jahre), Berlin (5 Jahre) und Saarland (4,8 Jahre). Schmerzpatienten in Mecklenburg-Vorpommern haben die „besten Chancen“ mit einer Verzögerung von 2,2 Jahren eine geeignete schmerztherapeutische Behandlung zu erhalten. Auf dem zweiten Platz liegt Brandenburg (3 Jahre), gefolgt von Niedersachsen (3,1 Jahre). Einen Grund für die jahrelangen Irrwege sieht Nadstawek unter anderem in einem seit langem bestehenden Mangel an speziell ausgebildeten Schmerztherapeuten. Bundesweit nähmen lediglich 1.027 Ärzte an der ambulanten schmerztherapeutischen Versorgung teil, drei bis fünf Millionen Patienten in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen. „Rund zwei Millionen Schmerzpatienten irren durch unser Gesundheitssystem und erhalten erst nach langen Anläufen die Behandlung, die sie benötigen“, erklärt der BVSD-Vorsitzende. Er sieht die Unterversorgung von Schmerzpatienten durch eine regional willkürliche Vergütung schmerztherapeutischer Leistungen und eine bereits absehbare Nachwuchsproblematik weiter verschärft. Nadstawek: „Die Selbstverwaltung von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass sie die politische Verantwortung dafür tragen, dass sich die Situation für Patienten und Ärzte weiter verschlechtert. Viele Ärzte sehen sich wirtschaftlich nicht mehr in der Lage, schmerztherapeutisch tätig zu sein.“
Zurück zur Übersicht Seite druckenDas „Weißbuch Schmerzmedizin“ steht als Download im Internet zur Verfügung. www.bv-schmerz.de