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Gesundheitsökonomie

Eine junge Disziplin im Aufwind

Lange Zeit galt Deutschland in der Gesundheitsökonomie als Entwicklungsland. Während amerikanische Forscher bereits in den 1960er Jahren erste Ansätze einer eigenständigen Disziplin entwickelten,  war man hierzulande fest davon überzeugt, dass die Gesundheitsversorgung nicht durch wirtschaftswissenschaftliche Analysen untersucht werden könne.

Mit der so genannten Kostenexplosion im Gesundheitswesen ändert sich diese Sichtweise jedoch; die rapide steigenden Ausgaben Anfang der 1970er Jahre gelten gemeinhin als „Geburtsstunde“ der deutschen Gesundheitsökonomie. Die Ökonomen begannen damals, die Gesundheitsversorgung – bislang eine Domäne von Juristen, Ärzten und Sozialpolitikern – zu erobern. Einer der Gründungsväter war der Kölner Sozialwissenschaftler Philip Herder-Dorneich, der sich um eine eigenständige Theoriebildung bemühte. 

Die Gesundheitsökonomie ist ein Fachgebiet der Wirtschaftswissenschaften. Hier betrachten Forscher die Gesundheitsversorgung als Markt. Sie widmen sich der Frage, wie und mit welchem finanziellen Aufwand Produktion und Verteilung von Gesundheitsgütern erfolgen. Welcher Bedarf besteht, wie manifestiert sich die Nachfrage und wie wird sie durch das Angebot befriedigt? Und: Werden die Mittel in effektiver und effizienter Weise verwendet und verteilt? Konkret kann es beispielsweise darum gehen, ob die Mittel für den Bau eines Transplantationszentrums, für einen Rettungswagen oder für Kinderimpfungen ausgegeben werden sollen. Die Gesundheitsökonomie gibt Hilfestellungen für Allokationsentscheidungen (Verteilungsentscheidungen), die andere treffen müssen. 

Eine Frage, die in Deutschland angesichts von Kosten-Nutzen-Analysen und der jüngst eingeführten Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln oft an Ökonomen herangetragen wird, lautet: Kann eine Rationierung medizinischer Leistungen durch eine verstärkte Rationalisierung vermieden werden? Eine klare, allgemeingültige Antwort wird es darauf wohl kaum geben. Fest steht jedoch, dass die Gesundheitsökonomen bei all ihren Analysen berücksichtigen müssen, dass der gesetzliche Rahmen den Marktteilnehmern besondere Beschränkungen auferlegt. Es gehört daher zu einer Kernfrage der Disziplin, wie institutionelle Rahmenbedingungen das Verhalten der Menschen, die im Gesundheitswesen als Anbieter, Nachfrager oder Administratoren tätig sind, verändern.

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Ausschuss für
Gesundheitsökonomie

Der Ausschuss für Gesundheits-
ökonomie des Vereins für Socialpolitik ist das wichtigste Netzwerk deutscher Gesundheitsökonomen. Über 40 Wissenschaftler tauschen sich in dem Gremium, das aus dem Robert-Bosch Colloquium Gesundheitsökonomik hervorgegangen ist, regelmäßig aus.

Der Ausschuss veranstaltet Tagungen und veröffentlicht Forschungsbeiträge. Vorsitzender ist Prof. Stefan Felder (Universität Basel).

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Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (dggö)

17 Hochschulprofessoren haben die dggö am 17. Oktober 2008 gegründet. Die Gesellschaft bezweckt die Förderung der Wissenschaft, Forschung und wissenschaftlichen Politikberatung auf dem Gebiet der Gesundheitsökonomie. Zu ihren Aufgaben gehören auch die Durchführung wissenschaftlicher Veranstaltungen und Forschungsvorhaben sowie die Vergabe von Preisen und Auszeichnungen. Insbesondere findet jedes Frühjahr eine wissenschaftliche Jahrestagung statt.

Zur Website der dggö

Literaturtipp

Mehr zu dem Thema ist unter anderem nachzulesen in: von der Schulenburg, J.-M./Greiner, W. (2007): Gesundheitsökonomik.

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