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26.07.2019

AMNOG-Daten
26 Medikamente vom Markt verschwunden

Berlin (pag) – Ist das AMNOG-Verfahren eine Versorgungshürde? Dieser Frage gehen die Gesundheitsökonomen Prof. Dieter Cassel und Prof. Volker Ulrich im Auftrag des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) nach. Sie werten die AMNOG-Daten 2019 aus.

Der BPI stellt fest: „Von den insgesamt 197 neuen Präparaten mit abgeschlossener Nutzenbewertung und Preisfindung sind mittlerweile 26 nicht mehr in Deutschland verfügbar.“ Cassel und Ulrich nehmen unter anderen die Diabetesmedikamente unter die Lupe: Acht sind seit 2011 nicht mehr am Markt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte bei sieben von ihnen keinen Zusatznutzen festgestellt. „Von daher stellt sich die Frage, ob und inwieweit in dieser am Umsatz gemessen drittgrößten Arzneimittelgruppe mit ihren unterschiedlichen Wirkprinzipien und Therapiestufen über den therapeutischen Verdrängungswettbewerb hinaus auch methodische Aspekte der Frühen Nutzenbewertung eine Rolle spielen könnten“, mutmaßen die Autoren.

Sie konstatieren, dass der Anteil der in Deutschland nicht in Verkehr gebrachten Arzneimittel seit Einführung des AMNOG-Verfahrens zugenommen habe. Dafür vergleichen sie die Zeiträume 2006 bis 2010 (vor AMNOG) und 2011 bis 2017 (mit AMNOG). In der ersten Periode liege die Verfügbarkeitsquote bei 98,5 Prozent, in der zweiten bei 83,8 Prozent. „Auch wenn für die Analyse keine Begründungen der Hersteller für den Verzicht auf den Markteintritt vorliegen und insofern die Kausalität offenbleiben muss, spricht zumindest einiges für die Existenz eines vom AMNOG ausgehenden Barriere-Effekts“, schlussfolgern die Professoren.

Generell sagen die Gesundheitsökonomen, dass Erneute Nutzenbewertungen zunähmen und ihre Ergebnisse nicht selten von der Frühen Nutzenbewertung abwichen. Das könne bedeuten, dass „mit der Nutzenbewertung des G-BA noch kein abschließendes Urteil über den therapeutischen Wert neuer Arzneimittel gefällt werden kann“.