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11.12.2025

GKV-ArzneimittelausgabenAOK präsentiert Vorschläge für eine AMNOG-Reform

Berlin (pag) – Der Pharmadialog läuft auf Hochtouren, die SPD umgarnt die industrielle Gesundheitswirtschaft – höchste Zeit für den AOK-Bundesverband, einen Konter zu platzieren. So geschehen bei der Vorstellung vom Arzneimittel-Kompass 2025.

Bei der Pressekonferenz stellt die Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Dr. Carola Reimann, klar, dass sie es zwar für sinnvoll halte, die Pharmaindustrie als Leitwirtschaft zu etablieren. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, „dass die blendend verdienende Pharma-Industrie von allen Effizienzanstrengungen, von allen Sparmaßnahmen in der GKV, ausgenommen wird“. Zu den Aufgaben der GKV gehöre es nicht, – etwa über höhere Arzneimittelpreise – Wirtschaftsförderung zu finanzieren.

Hauptthema bei dem Termin sind GKV-Arzneimittelausgaben, die 2024 bei 59,3 Milliarden Euro liegen. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Ausgabenblock um mehr als neun Prozent gestiegen. Dabei sei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, meint Helmut Schröder, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Als wesentlichen Treiber des Anstiegs sieht er insbesondere die patentgeschützten Arzneimittel. 

Der Kassenverband macht sich daher für eine AMNOG-Reform stark. Reimann zufolge ist der bestehende Regulierungsrahmen insbesondere auf die unzureichende Evidenz und überhöhten Preise neuer Arzneimittel nicht eingerichtet. Die konkreten Lösungsansätze lauten: Arzneimittel mit unsicherer Evidenz sollen künftig ausschließlich in qualifizierten Zentren für Fälle mit hohem medizinischem Bedarf eingesetzt werden. Die Erstattung sei zudem an die weitere Evidenzgenerierung zu koppeln. Außerdem soll ein Interimspreis ab Marktzugang eingeführt werden, welcher sich an der Höhe der zweckmäßigen Vergleichstherapie orientiert und als vorläufige Rechengröße gilt. 

PD Dr. Claudia Wild vom Austrian Institute for Health Technology Assessment betont insbesondere den Fairness-Aspekt der Debatte. Sie verlangt, die Forschungs- und Entwicklungskosten (F&E) der Pharmaindustrie transparent zu machen. Der aktuelle Mangel daran führt Wild zufolge oft zu einer doppelten öffentlichen Finanzierung von Arzneimitteln: einmal über Steuern, die über die Forschungsförderung auch den Unternehmen zugutekommen, und über die Kosten für Arzneimittel – deren hohe Preise vor allem auch über die teure F&E gerechtfertigt werden.

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