Direkt zu:

23.09.2026

Junge ErwachseneArmut und Migrationserfahrung spielen bei Typ-2-Diabetes eine Rolle

Bremen (pag) – Typ-2-Diabetes trifft in Deutschland immer häufiger junge Erwachsene. Neue Daten zeigen: Armut, geringe Bildung und eigene Migrationserfahrung gehen damit einher. Eine Analyse des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) auf Basis der NAKO-Gesundheitsstudie findet diese sozialen Unterschiede auch dann, wenn familiäre Vorbelastung und der eigene Lebensstil einbezogen werden.

Typ-2-Diabetes gilt als Krankheit des späteren Lebens. Doch die Zahl der Menschen, die schon zwischen 20 und 45 Jahren erkranken, steigt deutlich. Je früher die Erkrankung beginnt, desto früher lässt die Funktion der insulinproduzierenden Betazellen nach und desto früher drohen Folgeschäden.
„Wir wollten wissen, ob früh auftretender Typ-2-Diabetes in Deutschland ungleich über die sozialen Gruppen verteilt ist“, erläutert die Studienautorin und BIPS-Wissenschaftlerin Dr. Justine Tanoey. Entscheidend sei gewesen: „Die Zusammenhänge mit Bildung, Einkommen und Migrationshintergrund blieben bestehen, auch nachdem wir familiäre Vorbelastung und Lebensstil berücksichtigt hatten.“

Die soziale Lage zeichnet sich deutlich in den Daten ab. Junge Erwachsene unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle finden sich klar häufiger in der Diabetes-Gruppe. Das Gleiche gilt für Menschen mit geringerem Bildungsabschluss. Auch Arbeitslosigkeit ist unter den Früh-Erkrankten häufiger als unter den Erwerbstätigen, ebenso körperliche und geringer qualifizierte Tätigkeiten im Vergleich zu Angestellten, Fachkräften und Führungskräften. Ähnliches zeigt sich bei Menschen, die selbst nach Deutschland eingewandert sind. 
Der soziale Unterschied tritt vor allem bei Teilnehmenden mit Übergewicht oder Adipositas auf. Das deutet darauf hin, dass soziale Benachteiligung die Stoffwechselgesundheit vor allem über das Körpergewicht berührt. Unter den Früh-Erkrankten haben 72 Prozent Übergewicht oder Adipositas, in der Vergleichsgruppe 46 Prozent. Plausible Erklärungen: teures gesundes Essen, dauerhafter sozialer Stress, wenig Gelegenheit zur Bewegung. Das Team betont, dass sich aus dem Querschnittsdesign nicht ablesen lässt, was zuerst da war: die soziale Benachteiligung oder der Diabetes. Vor kausalen Deutungen warnt es ausdrücklich. Die Ergebnisse passten aber zu deutschen und internationalen Befunden, die ein ähnliches soziales Muster bei Typ-2-Diabetes zeigen.

Verwandte Artikel