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15.10.2025

VeranstaltungAugengesundheit im gesundheitspolitischen Schattendasein

Berlin (pag) – Mehr als zehn Millionen Menschen leben hierzulande mit einer Augenerkrankung, teils ohne es zu wissen. Trotzdem fristet das Thema ein gesundheitspolitisches Schattendasein, moniert Simone Borchardt, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, in der Veranstaltung „Sehenswürdig!“.

Vor dem Hintergrund der Demografie verwundert es nicht, dass Augenerkrankungen zunehmen. Besonders häufig treten altersabhängige Makula-Degeneration, Glaukom und diabetische Retinopathie auf. „Wir müssen vor die Welle kommen“, appelliert Borchardt auf der Veranstaltung des Berufsförderungswerks Düren, des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, der Healthcare Frauen, Pro Retina Deutschland und Amgen

Blinde und sehbehinderte Menschen müssen alltägliche Aufgaben neu erlernen, konstatiert Dario Madani, Geschäftsführer von Pro Retina Deutschland. „Wie schütte ich einen Kaffee ein, ohne das ganze Wohnzimmer unter Koffein zu setzen?“ Lebenspraktische Fähigkeiten könnten in Reha-Maßnahmen erprobt werden. Allerdings gebe es keine Rehabilitation für blinde und sehbehinderte Menschen nach einer Späterblindung. Diese würden nicht im Leistungsspektrum der GKV abgebildet und seien Selbstzahler-Leistungen. „Da müssen wir ran“, empört sich der Pro Retina-Geschäftsführer. Zustimmung seitens Borchardt. Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass angehende Mobilitäts- oder Rehatrainer ihre Ausbildung aus eigener Tasche zahlen müssen – 30.000 bis 40.000 Euro, die refinanziert werden könnten. Weiterhin fordert Madani, Sprechstunden von Selbsthilfe-Organisationen wie Pro Retina im SGB V zu verankern – als abrechenbare Leistung.

Weil Frauenaugen anders sehen, müssen geschlechterspezifische Aspekte endlich mitgedacht werden, fordert die Vorstandsvorsitzende der Healthcare Frauen Katharina Schmidtke. Sie konstatiert: „Wir Frauen sind keine kleinen Männer!“ Zudem fordern die Beteiligten bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, bessere Rahmenbedingungen für Innovationen, Früherkennung von Augenerkrankungen als gesundheitspolitisches Ziel, eine systematische Erfassung von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen und vieles mehr. Höchste Zeit, Augengesundheit aus ihrem Schattendasein zu holen.

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