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16.04.2021

Corona-Pandemie Aus der Krise lernen

Berlin (pag) – Seit über einem Jahr hält die Corona-Pandemie die Welt in Atem. Auf Einladung der Stiftung Charité diskutieren Experten aus verschiedenen Disziplinen über Erfolge, Versäumnisse und Lehren der Krisenbewältigung.

Anerkennung gibt es vor allem für die Forschungsleistungen rund um das Virus und die neuen Impfstoffe. Letztere seien die „Speerspitze“ einer „fantastischen Forschungsleistung“, meint Prof. Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates. Auch Prof. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité, betont: „Die Wissenschaft hat geliefert.“ In welcher Geschwindigkeit das Virus selbst ohne Immundruck seine Ansteckungsfähigkeit erhöht habe, sei jedoch selbst für Virologen kaum zu glauben gewesen, räumt Drosten ein. Mittlerweile stünden jedoch weniger Forschungsfragen als vielmehr Umsetzungsfragen im Zentrum der Pandemiebekämpfung.

Dass gerade an dieser Stelle jede Menge Reibungsverluste entstehen, führt Buyx auch auf umständliche Verfahren zurück: „Wir ersticken im Moment an verschiedenen Stellen an Bürokratie.“ Hinzu kommt: „Bei vielen Maßnahmen sind wir sehr im Vagen“, sagt PD Lars G. Hemkens, Wissenschaftler am Institut für klinische Epidemiologie und Biostatistik der Universität Basel. Es sei noch immer nicht bekannt, wie genau sich einzelne Maßnahmen in virologischer und auch in sozioökonomischer Hinsicht auswirkten. „Wir bräuchten präzisere Informationen“, fordert Hemkens.

Neben einer breiteren Datengrundlage seien in Erwartung kommender Pandemien aber noch weitere Vorkehrungen zu treffen, fordert Buyx. Im Sinne einer „besseren Preparedness“ brauche es beispielsweise eine Reserve aus Menschen für einen Krisenstab. Sie setzt darauf, dass die Corona-Krise einen „Innovations- und Verbesserungsschub“ auslöst. Hoffnung verbreitet auch Geschichtswissenschaftler Prof. Malte Thießen, Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte. Die aktuelle Krise habe bereits Fortschritte gezeitigt. Das Bewusstsein für die Gefahr von Pandemien sei gewachsen, auch in sozialer Hinsicht: „Wir kümmern uns um diejenigen, die in anderen Pandemien als Kollateralschäden in Kauf genommen wurden.“