PatientensicherheitBehandlungsfehler kosten jährlich Milliarden Euro
Berlin (pag) – Bei der Vorstellung der Jahresstatistik 2024 des Medizinischen Dienstes Bund (MD Bund) zu Behandlungsfehlern liegt der Fokus auf den wirtschaftlichen Folgen mangelnder Patientensicherheit. Die Schätzung der Experten: Jährlich entstehen durch Behandlungsfehler im stationären Bereich 15 Milliarden Euro Kosten für das deutsche Gesundheitssystem. Für die Präsentation vor der Presse holt sich der MD Bund Verstärkung durch Gesundheitsökonom Prof. Reinhard Busse.
„Unsichere Versorgung hat nicht nur Folgen für die geschädigten Patientinnen und Patienten. Sie hat auch massive gesundheitsökonomische Auswirkungen“, erklärt Dr. Stefan Gronemeyer, Vorstandsvorsitzender des MD Bund. Werden Patienten geschädigt, seien oft zahlreiche weitere Eingriffe, Operationen und Nachbehandlungen erforderlich. Insgesamt hat der MD Bund im Jahr 2024 zu 12.304 Fällen, bei denen Behandlungsfehler vermutet worden sind, wissenschaftliche Gutachten erstellt. In jedem vierten Fall wurde ein Fehler mit Schaden festgestellt. Bei jedem fünften Fall konnte zudem nachgewiesen werden, dass der Behandlungsfehler ursächlich für den erlittenen Schaden war. Experten gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer an Fällen aus. „Bezogen auf Deutschland sind das Beträge in Milliardenhöhe, die dadurch an Kosten entstehen“, so Gronemeyer.
„Es spricht viel dafür, dass jeder Euro, der in die systematische Prävention und Sicherheitskultur investiert wird, ein Mehrfaches an Nutzen zurückbringt“, ergänzt Gesundheitsökonom Busse. Mehr Patientensicherheit sollte folglich nicht als reiner Kostenfaktor betrachtet werden, sondern sei eine Investition in Qualität, Effizienz und Vertrauen, während das Unterlassen von Fehlervermeidung ein Vielfaches an Geld koste. „Vor allem aber verursacht es vermeidbares menschliches Leid“, so Busse. Konkret fordert der MD Bund eine Mitteilungspflicht nach Fehlern – bisher sind Fehler nur nach Nachfrage der Patienten oder bei akuter Gefahr mitzuteilen – sowie die Realisierung einer Meldepflicht für ein Never-Event-Register.