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09.07.2018

Pränataldiagnostik Bluttest kann Trisomie 21 zuverlässig bestimmen – ethische Bedenken bleiben

Köln (pag) – Nicht invasive Pränataldiagnostik (NIPD) kann Feten mit einer Trisomie 21 sehr zuverlässig erkennen. Bei den selteneren Trisomien 13 und 18 ist dies unklar. Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Studien zu den diagnostischen Eigenschaften dieser Tests ausgewertet. Unterdessen fordert die Lebenshilfe eine umfassendere Bewertung der Studienlage.

Diese müsse um gesellschaftliche und ethische Aspekte ergänzt werden. Nur so sei den Mitgliedern des G-BA eine sinnvolle Beratung möglich. Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie (CBP) und der Deutsche Caritasverband (DCV) lehnen eine Ausweitung der kassenärztlichen Regelversorgung auf den so genannten Bluttest ab.

Bis vor wenigen Jahren konnten Trisomien wie das Down-Syndrom vorgeburtlich nur mit invasiven Methoden bestimmt werden: einer Chorionzottenbiopsie ab der zwölften Schwangerschaftswoche oder einer Amniozentese, also einer Fruchtwasseruntersuchung, ab der 16. Schwangerschaftswoche. Diese Eingriffe lösten bei etwa zwei bis zehn von 1.000 Schwangerschaften Fehlgeburten aus, so das IQWiG. Daher würden sie meist nur bei sogenannten Risikoschwangerschaften eingesetzt – zum Beispiel, wenn die Frau relativ alt sei oder in früheren Schwangerschaften bereits Trisomien aufgetreten seien. Bei der nicht invasiven Pränataldiagnostik (NIPD) werde dagegen das Blut der schwangeren Frau auf die fetalen Trisomien 13, 18 und 21 untersucht.
Hinsichtlich hypothetischer Szenarien zu einer möglichen Integration in die Schwangerschaftsvorsorge kommt das IQWiG zu dem Ergebnis, dass sich vermutlich ein Teil der Fehlgeburten vermeiden ließen, die die invasive Diagnostik auslösen kann, wenn Schwangeren mit erhöhtem Risiko für eine fetale Trisomie 21 eine NIPD angeboten würde. Genauere Angaben seien allerdings nicht möglich, dafür fehlten die Daten, so die Wissenschaftler. Beispielsweise seien die Anteile der Frauen unterschiedlichen Alters nicht bekannt, die eine invasive oder nicht invasive Untersuchung in Anspruch nähmen oder aber darauf verzichteten – zum Beispiel, weil sie das Kind auf jeden Fall bekommen möchten.