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04.06.2024

AWMF Bundes-Klinik-Atlas – „derzeit nicht vertrauenswürdig“

Berlin (pag) – Die Kritik am Bundes-Klinik-Atlas reißt nicht ab. Nun meldet sich die Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zu Wort. Sie fordert eine vorübergehende Abschaltung, zumindest aber „die gut sichtbare und laienverständliche Ausweisung als ,vorläufig‘ bzw. ,Beta-Version‘ im Sinne von ,Testversion‘ “.

„Derzeit nicht vertrauenswürdig“ sei der Atlas, so die Ad-hoc-Kommission Versorgungsstrukturen der AWMF in ihrer Stellungnahme. Zwar begrüßen die Experten die Grundintention der Bundesregierung, die mit dem Portal mehr Transparenz ermöglichen will. Auch der hohe Zeitdruck, unter dem die Verantwortlichen standen, sei bekannt. Nichtsdestotrotz halten die AWMF-Fachleute die Krankenhausvergleichs-Plattform für ungeeignet, den Patienten als Wegweiser und Berater zu dienen. Es bestehe sogar die Gefahr einer Fehlleitung und dass Kliniken Schaden nehmen könnten. „Die Vorläufigkeit der Daten einerseits und die mangelnde Qualitätsüberprüfung der Daten andererseits wird nicht ausreichend deutlich. Handwerkliche Fehler bestehen u.a. in der fehlenden Trennung von Haupt- und Nebendiagnosen und der schlechten Verknüpfung von Diagnosen und Prozeduren“, heißt es in der Stellungnahme.

Die AWMF und die Ad-hoc-Kommission bieten dem BMG konstruktive Hilfe an. Man sei sich bewusst, dass Daten veröffentlicht werden, die nicht zum Zweck der Information von Patienten erhoben worden sein. Dass die Kodierung von Fachabteilungsschlüsseln regional und zwischen Bundesländern sehr unterschiedlich sei und Änderungen mit Planungsbehörden und Kostenträgern besprochen werden müssten, sei aus Stellungnahmen bekannt. „Aus diesen Angaben sind demzufolge derzeit nicht flächendeckend valide Zuteilungen ableitbar.“ Gründe für die aktuelle Dokumentationspraxis in Kliniken sollten mit dem Bundesgesundheitsministerium besprochen sowie Lösungen für eine Änderung vereinbart werden.

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