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08.09.2025

StudieDarmkrebs-Screening: Verschenkte Chancen

Berlin (pag) – Nur ein Bruchteil der anspruchsberechtigten Bevölkerung nutzt das Darmkrebs-Früherkennungsangebot. Insbesondere bei Männern bleibt viel Luft nach oben. Das ergibt eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Barmer Krankenversicherung. Die Wissenschaftler haben dafür den Zeitraum von 2010 bis 2022 beobachtet.

„Die bisherige, nicht organisierte und auf individueller Eigeninitiative beruhende Darmkrebsfrüherkennung erreicht große Teile der berechtigten Bevölkerung nicht“, sagt Studienleiter Hermann Brenner vom DKFZ. Er sieht dringenden Handlungsbedarf – insbesondere aufgrund der nachgewiesenen Wirksamkeit und Kosteneffizienz von Stuhltests zur Senkung von Darmkrebsinzidenz und -sterblichkeit.

Trotz der Möglichkeit einer jährlichen Vorsorgeuntersuchung nehmen laut Studie nur 22,5 Prozent der Männer und 55,1 Prozent der Frauen zwischen 50 und 54 mindestens einmal das Angebot eines Stuhltests auf unsichtbares („okkultes“) Blut (FOBT) wahr. Das jährliche Angebot nutzen lediglich 0,1 Prozent der Männer und 1,8 Prozent der Frauen vollständig. Bis zum Alter von 55 Jahren haben 77,1 Prozent der Männer und 44,5 Prozent der Frauen keinen einzigen Test durchgeführt. „Die deutlich geringeren und insgesamt sehr niedrigen Nutzungsraten von FOBTs bei Männern sind insbesondere vor dem Hintergrund deutlich höherer altersspezifischer Darmkrebsrisiken der Männer beunruhigend“, schreiben die Autoren der Studie.

Weiteres Ergebnis der Studie: Länder mit gut organisierten Programmen, wie etwa die Niederlande oder England, erreichen Teilnehmerquoten von über 70 Prozent. „Zentrale Elemente gut organisierter Früherkennungsprogramme, zum Beispiel der direkte Versand von Einladungsschreiben, leicht verständlichen Informationen und das Zusenden der Testkits, wie sie beispielsweise in den Niederlanden oder in England etabliert sind, könnten zu deutlich höheren Teilnahmeraten führen“, konstatieren die Studienautoren.

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