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01.07.2019

Stellungnahme Deutscher Ethikrat gegen Impfpflicht bei Kindern

Berlin (pag) – Der Deutsche Ethikrat ist gegen eine Impfpflicht. In seiner Stellungnahme spricht er zwar von einer moralischen Pflicht zur Impfung. Eine staatliche Zwangsmaßnahme rechtfertige diese aber nicht. Eine Impfpflicht sieht dagegen das geplante Masernschutzgesetz des Bundesgesundheitsministeriums vor.

Sich gegen Masern impfen zu lassen, ist für den Deutschen Ethikrat keine Privatangelegenheit. In seiner Stellungnahme weist er auf die Gefahren für Menschen hin, die nicht geimpft werden können und bei denen die hochansteckende Infektionskrankheit besonders schwer verlaufen kann. Ihr Schutz könne nur gewährleistet werden, wenn ein hinreichend hoher Anteil der Bevölkerung geimpft sei. „Da die Masernimpfung hochwirksam und sehr gut verträglich ist, ist jede Person moralisch verpflichtet, sich impfen zu lassen und gegebenenfalls auch für einen entsprechenden Impfschutz der eigenen Kinder zu sorgen“, heißt es in der Erklärung. Die Einführung einer mit staatlichen Zwangsmaßnahmen durchzusetzenden Verpflichtung lasse sich damit aber nicht rechtfertigen.
Der Ethikrat empfiehlt stattdessen, zu prüfen, ob und für wen eine solche Rechtspflicht geeignet sei. Bei Kleinkindern in Tagesbetreuung und bei Schulkindern sei sie nicht verhältnismäßig, weil in diesen Altersgruppen die Impfquote insgesamt hoch sei. Das Gremium empfiehlt eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes, das eine bessere Erfassung nicht geimpfter Kinder, eine intensivierte Beratung der Eltern und Impfaktionen in den Einrichtungen ermögliche. Statt auf den Kindern müsse der Fokus auf den vielen ungeimpften Erwachsenen liegen: Sie müssten mit Aufklärungs- und Impfkampagnen stärker angesprochen werden. Zudem empfiehlt das Gremium den Einsatz von Impf-Erinnerungssystemen in Arztpraxen und mehr Aufklärung über Chancen und Risiken. Eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen erachtet das Gremium hingegen als sinnvoll, weil sie Infektionen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit weitergeben können.