KlimawandelDeutschland bei Hitzeschutz schlecht aufgestellt
Berlin (pag) – Extreme Temperaturen können zum echten Gesundheitsrisiko werden. 150 Organisationen fordern deswegen klarere Krisenvorbereitung. Aufsatteln kann man auf dem Netz der hausärztlichen Versorgung.
Deutschland ist auf extreme Hitzeszenarien nicht ausreichend vorbereitet. Das prangern mehr als 150 Organisationen aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft an. Zu den Initiatoren des Bündnisses zählen die Bundesärztekammer (BÄK), die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat und der GKV-Spitzenverband. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz fordern sie verbindliche Integration von Extremhitze in Krisenvorsorge und Katastrophenschutz.
BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt erklärt: „Die Konstellation der hausärztlichen Versorgung stellt eine gute Basis dar, um auf die Problematik aufmerksam zu machen, aber auch zu schauen, wo bestehen besonders vulnerable Gruppen.“ Im Zusammenspiel mit den Pflegeeinrichtungen könne man so relativ viele Menschen erreichen. Reinhardt will die vor Ort tätigen „Player“ ermutigen, Strukturen zu etablieren, die dann im Falle des Falles verlässlich funktionieren können. „Dazu braucht es Übung und klare Definitionen darüber, wer wann was zu welchem Zeitpunkt macht“, so der Kammerpräsident.
Dr. Martin Herrmann, Vorsitzender von KLUG, sagt, dass ein Mix aus niedrigschwelligen Maßnahmen vor allem auf Landkreisebene, aber auch massiven investiven Maßnahmen nötig sei. „Als wir vor drei Jahren mit dem damaligen Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD) zum Hitzeaktionstag gemeinsam in der Bundespressekonferenz waren, waren wir überrascht, wie klar er sich in der Sache geäußert hat und die bisher nicht wahrgenommene Verantwortung auf der Bundesebene angesprochen hat“, berichtet Hermann. In den folgenden Jahren habe sich der Minister auch persönlich viel für das Thema eingesetzt, was zu einer gesteigerten Sensibilität bei den Schlüsselakteuren geführt habe. Bei der jetzigen Bundesregierung stünden die Themen Klima- und Hitzeschutz in der Prioritätenliste dagegen nicht an vorderer Stelle.