SPD-FachforumDie Zukunft der industriellen Gesundheitswirtschaft
Berlin (pag) – Mehr Versorgungssicherheit und Resilienz, weniger Abhängigkeit und stattdessen ein innovationsfreundlicher Standort Europa: Das sind die Ziele von Politik, Wirtschaft, Kassen und Gewerkschaften beim Fachforum industrielle Gesundheitswirtschaft der SPD-Fraktion.
„Das Thema Lieferengpässe ist Tagesgeschäft seit langer, langer Zeit“, konstatiert der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Prof. Karl Broich. „Wenn wir über Lieferengpässe sprechen, geht es um Generika“, stellt er klar – in Deutschland wie in Europa. Bei innovativen Arzneimitteln gebe es hierzulande keine Engpässe. Die Gründe für Lieferengpässe seien sehr heterogen, „kommen oft einzeln vor, kommen oft in Kombination vor“. Zuweilen seien Produktionsprobleme ausschlaggebend, oder auch unzureichende Produktionskapazitäten. Für Patienten bedeuteten die Engpässe etwa, Medikamente umstellen zu müssen. „Das führt zu enormem Vertrauensverlust“, mahnt der BfArM-Chef. Eine Maßnahme zur kurz- und mittelfristigen Heilung soll das Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) darstellen. Bis Ende des Jahres wird Broich zufolge das Gesetz evaluiert. Neben vielen positiven Effekten zeige sich Bedarf zur Nachjustierung.
„Wir wollen die industrielle Gesundheitswirtschaft zur Leitwirtschaft in Deutschland und in Europa machen“, betont der Sozialdemokrat Matthias Mieves. Ehrlicherweise gebe es zuerst „ein paar sehr dringende Themen, die jetzt kurzfristig abgearbeitet werden müssen“. Er nennt die Krankenhausreform und die GKV-Finanzen. Sobald die dicken Bretter gebohrt seien, „werden auch unsere Themen ins Laufen kommen. Wir werden in die Pharmastrategie wieder einsteigen und auf der Ebene Ministerium und Kanzleramt loslegen.“
Aus der Debatte des Fachforums geht außerdem hervor: Bürokratische Hürden müssen abgeschmolzen werden, damit Innovation nicht an Formularen scheitert. Zudem braucht es EU-einheitliche Vorgaben, um Planungs- und Rechtssicherheit zu schaffen, bei Doppelregulierungen müssen zeitnah Lösungen gefunden werden. Unabhängigkeit bei Arzneimitteln ist ein Ziel, insbesondere für Generika muss die Produktion in Europa wirtschaftlich sein.