ÄrzteverbändeDMP Adipositas für Kinder soll rasch in die Versorgung
Berlin (pag) – Das Disease-Management-Programm (DMP) Adipositas für Kinder und Jugendliche ist Anfang Juli in Kraft getreten. Jetzt stehen die Vertragsverhandlungen zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) und regionalen Krankenkassen an. Zahlreiche Ärzteorganisationen machen sich für eine zügige Umsetzung des Programms stark.
Bislang gibt es in Deutschland kein strukturiertes Versorgungsangebot für Kinder und Jugendliche mit Adipositas und deren Familien. Die Betroffenen erlebten oft eine Odyssee mit unnötigen Untersuchungen, Schuldzuweisungen und frustranen Therapieversuchen, so die Ärzteverbände. Durch das DMP soll die Versorgungslage für betroffene Kinder und Jugendliche – laut Verbände circa 6,5 Prozent, also aktuell rund 800.000 – zwischen drei und 17 Jahren deutlich verbessert werden.
Im DMP soll von den koordinierenden Ärztinnen und Ärzten ein am individuellen Bedarf orientierter Behandlungsplan aufgestellt werden, der das primäre Ziel einer lebensstilbasierten Intervention, nämlich die Optimierung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens, aber auch die Erwartungen und Möglichkeiten der Betroffenen und ihrer Familien, berücksichtigt. Zentraler Bestandteil des DMP sind ambulante Adipositasschulungsprogramme, die in Deutschland „nach vielen Jahren der uneinheitlichen (Unter-)Finanzierung wieder eine Chance auf ihren berechtigten Platz in der Versorgungslandschaft für die Kinder und Jugendlichen mit Adipositas und ihren Familien erhalten können“, so die Verbände.
Sie wollen „einen Vorstoß bei den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen wagen und in Verhandlungen treten“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Um den Prozess der Vertragsverhandlungen optimal zu begleiten, bieten sich die Verbände allen potenziellen Vertragsparteien als Gesprächspartner an. Ihr Ziel: ein bundesweit geschlossenes Vorgehen, verbunden mit einer einheitlichen Vergütung in allen Bundesländern, sodass regionale Ungleichgewichte vermieden werden und alle Betroffenen bundesweit die gleichen Versorgungsleistungen erhalten können.