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05.12.2018

Antibiotika Eine europäische Lösung für Lieferengpässe?

Berlin (pag) – Lieferengpässe, auch von versorgungskritischen Arzneimitteln, sorgen immer wieder für Probleme. Wie die Wirkstoffproduktion von Antibiotika wieder in Europa intensiviert werden könnte, untersucht die Unternehmensberatung Roland Berger im Rahmen einer Machbarkeitsstudie. Auftraggeber ist der Verband Pro Generika.

Bei der Analyse werden drei verschiedene Szenarien durchgerechnet – mit dem Ergebnis: Die Produktion von Antibiotikawirkstoffen in Deutschland ist in allen Szenarien nicht wirtschaftlich. Zum Ausgleich des negativen Gewinns vor Zinsen und Steuern müssten 55 Millionen Euro Mehrkosten vom System getragen werden. Dr. Morris Hosseini, Senior Partner Roland Berger, nennt bei der Pro-Generika-Veranstaltung „Dialog am Mittag“ verschiedene staatliche Unterstützungsoptionen: Preisregulierung durch Eingriffe am Tendermarkt, Subventionen des Betriebs oder der Investition oder Absicherung des Versorgungsrisikos.
Bei der anschließenden Diskussion betont Michael Hennrich, Arzneimittelexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, dass die Politik die Bedeutung des Problems erkannt habe. Antibiotika seien daher als erstes Thema des vor Kurzem begonnenen Pharmadialogs aufgerufen worden. Der Politiker sagt, dass er staatliche Interventionen gerne vermeiden würde und nennt als weitere Möglichkeit intelligente Auflagen bei Kassenausschreibungen. Grundsätzlich bekräftigt Hennrich: „Die Bereitschaft, etwas zu ändern, ist da.“
Laut Prof. Karl Broich, Präsident des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), sind Liefer- und Versorgungengpässe von Antibiotika ein europäisches Problem, das in anderen Ländern zum Teil sogar noch zugespitzter sei als in Deutschland. Es gebe daher ein europaweites Interesse an Liefersicherheiten und einer Rückführung von Produktionskapazitäten. Der BfArM-Präsident macht deutlich, dass intelligente Lösungen gefragt seien. Im Falle einer simplen Zusatzfinanzierung für den Topf Antibiotika, dürften rasch Forderungen nach einer zusätzlichen Unterstützung etwa für Kinderarzneimittel oder für geriatrische Medikamente folgen.

Link zur Vorstellung der Studie: www.progenerika.de/wp-content/uploads/2018/11/20181115_ProGenerika_Antibiotikastudie2018_final.pdf