BundesärztekammerEngagement gegen Gewalt an Frauen
Berlin (pag) – Jede dritte Frau in Deutschland erlebt im Laufe ihres Lebens körperliche oder psychische Gewalt – meist im eigenen Umfeld. Gewalt gegen Frauen ist damit kein Randphänomen, sondern eine gesellschaftliche Realität, die entschiedenes Handeln erfordert. Die Bundesärztekammer (BÄK) ruft dazu auf, Gewalt gegen Frauen konsequent zu bekämpfen.
„Praxen und Krankenhäuser sind für betroffene Frauen häufig die erste Anlaufstelle und spielen eine Schlüsselrolle im Opferschutz, wenn Verletzungen nicht nur behandelt, sondern auch aktiv angesprochen und dokumentiert werden“, erklärt BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. Darin liege eine große Verantwortung – aber auch die Chance, Gewalt frühzeitig zu erkennen und zu durchbrechen. Eine Vernetzung von Ärztinnen und Ärzten mit regionalen Hilfsstrukturen und Beratungsstellen regt Dr. Susanne Johna, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, an. Zudem mahnt sie an, dass Deutschland als Vertragsstaat der Istanbul-Konvention von 2011 seiner Verpflichtung nachkommen müsse, ausreichende Behandlungsangebote und Zufluchtsorte für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen sicherzustellen.
Eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zeigt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Krankenhäusern immer stärker gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt sind. Im Mittelwert sind bei 51 Prozent der gewalttätigen Übergriffe auf Krankenhauspersonal Pflegekräfte betroffen. Wenn Pflegekräfte angegriffen werden, treffe es vor allem Frauen, denn der Pflegeberuf sei noch immer hauptsächlich weiblich besetzt, so die stellvertretende DKG-Vorstandsvorsitzende Prof. Henriette Neumeyer. „Gewalt im Krankenhaus ist deshalb nicht nur ein Angriff auf einzelne Beschäftigte; sie steht sinnbildlich auch für ein größeres strukturelles Ungleichgewicht.“ Denn nicht nur im Beruf, auch im Privaten seien es überdurchschnittlich häufig Frauen, die den Großteil der Care-Arbeit leisteten. Neumeyer weiter: „Dass Frauen in Pflegeberufen zusätzlich Gewalt ausgesetzt sind, macht auf schockierende Weise sichtbar, wie gering der gesellschaftliche Respekt vor Care-Arbeit noch immer ist und wie wenig diejenigen geschützt werden, die diese Arbeit verrichten.“