KrebspräventionEs braucht politischen Willen
Berlin/Wien (pag) – Die Onkologie erlebt bedeutende Fortschritte. Auf der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie werden aktuelle Entwicklungen vorgestellt, kritisch eingeordnet und ihr Nutzen für die Versorgung diskutiert. Eine wichtige Rolle spielt die Prävention.
Kongresspräsident Prof. Dominik Wolf hebt im Vorfeld der Tagung, die im Oktober stattfindet, hervor, dass innovative molekulare Diagnostikverfahren einen immer genaueren Einblick in die genetischen und biologischen Eigenschaften von Blut- und Krebserkrankungen ermöglichen. „Sie sind eine wichtige Grundlage für präzise Diagnostik, umfassende Risikobewertung und für die Entwicklung von individualisierten Behandlungsstrategien.“
Zu den Instrumenten zählen unter anderem Genmutationsanalysen, Next Generation Sequencing, Fusionsgen-Diagnostik, Genexpressionsanalysen, die Bestimmung zirkulierender Tumor-DNA im Blut (Liquid Biopsy) und hochsensitive Verfahren zum Nachweis minimaler Resterkrankungen.
Laut Prof. Claudia Baldus, Geschäftsführende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, könnten viele Krebserkrankungen bereits heute verhindert oder in einem früheren Stadium erkannt werden. „Prävention und Früherkennung zählen deshalb zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben.“ Fortschritte in der Risikobewertung und molekularen Diagnostik eröffneten neue Chancen, Menschen mit erhöhtem Risiko früher zu identifizieren und gezielter zu begleiten.
Wichtige Impulse liefert auch der Ergebnisbericht des zweiten Nationalen Krebspräventionsgipfels von der Deutschen Krebshilfe und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Er zeigt sehr konkret, an welchen Stellen politisches Handeln erforderlich ist. „Jetzt müssen die politischen und strukturellen Voraussetzungen geschaffen werden, um dieses Wissen konsequent in die Praxis zu überführen,“ sagt der DKFZ-Vorstandsvorsitzende Prof. Michael Baumann.
Die Expertinnen und Experten empfehlen, Prävention politisch ressortübergreifend stärker zu verankern, die Erfahrungen erfolgreicher Modellprojekte bundesweit nutzbar zu machen, Schulen stärker in den Blick zu nehmen, lokale Präventionsstrukturen auszubauen und den volkswirtschaftlichen Nutzen von Prävention systematisch sichtbar zu machen.