BerichtEuropas Plan gegen Krebs – vor dem Scheitern?
Brüssel/Luxemburg (pag) – Das Vorzeigeprogramm der EU zur Krebsbekämpfung, „Europas Plan gegen den Krebs“, steht vor einer ungewissen Zukunft. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Europäischen Rechnungshofs hervor.
Klaus-Heiner Lehne, der als Mitglied des Rechnungshofs für die Prüfung zuständig ist, ordnet den Plan als die wichtigste Strategie der EU zur Krebsbekämpfung ein. „Ohne eine stimmige Umsetzung, klare Etappenziele und eine gesicherte Finanzierung kann das Potenzial des Plans jedoch nicht richtig ausgeschöpft werden.“
Die Prüfer stellen fest, dass der Plan zahlreiche Maßnahmen zur Folge hatte, von denen viele potenziell von großem Nutzen seien. So habe er dazu geführt, dass vier EU-Länder neue nationale Krebspläne entwickelt und zehn Länder ihre bestehenden überarbeitet hätten. Sie warnen jedoch davor, dass die Wirksamkeit des Plans durch Überschneidungen und Doppelungen gefährdet sei. So würden mit mehreren EU-finanzierten Projekten – wie etwa mobilen Apps zur Prävention und Sensibilisierung – ähnliche Ziele verfolgt und ähnliche Zielgruppen angesprochen. Dies führe zu unnötigen Doppelungen und einem ineffizienten Einsatz der Gelder. Andere Projekte seien zwar gut konzipiert, hätten aber keine nachhaltigen Ergebnisse erbracht, da sie in den EU-Ländern nicht übernommen worden seien. Ohne nationale Akzeptanz bestehe die Gefahr, dass viele Initiativen nicht zu spürbaren und dauerhaften Verbesserungen führen.
Die Prüfer weisen auf Webfehler des Plans hin: So fehlten messbare Zielvorgaben, ein endgültiges Abschlussdatum und aufeinander abgestimmte Indikatoren. Daher sei es schwierig, Fortschritte zu messen oder die langfristigen Auswirkungen zu bewerten. Die Prüfer äußern auch Bedenken hinsichtlich der Zukunft. Das Gesamtbudget des Programms EU4Health sei 2024 um mehr als 35 Prozent gekürzt worden, was rund einer Milliarde Euro entspreche. Wie der Plan bis 2027 weiter umgesetzt werde, sei daher unsicher. Für die Zeit nach 2027 herrsche ebenfalls Ungewissheit, da die Finanzierung durch die EU nicht geklärt sei – sie hänge letztlich vom nächsten langfristigen EU-Haushalt für 2028 bis 2034 ab.