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04.12.2018

GKV-Bericht Fehlverhalten: Krankenkassen fordern 50 Millionen Euro

Berlin (pag) – Missbrauch im Gesundheitswesen nimmt zu. Das geht aus einem Bericht des GKV-Spitzenverbands (GKV-SV) hervor. 2016/2017 registriert das Selbstverwaltungsorgan rund 25.000 externe Hinweise auf Fehlverhalten. 2014/2015 waren es etwa 17.000. Der GKV-SV spricht von gesicherten Forderungen in Höhe von circa 50 Millionen Euro.

Der GKV-Spitzenverband macht folgende Rechnung auf: In der Pflegebranche schlagen circa 10.000 verfolgte Neufälle mit etwa 14 Millionen Euro zu Buche. Bei ärztlichen Leistungen registrieren die Kassen 2322 Neufälle und rund eine Millionen Euro Forderungen. Aber: Die Bekämpfung von Fehlverhalten bei niedergelassenen Ärzten sei eine originäre Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen, sagt Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-SV-Verwaltungsrats. Bei der Krankenhausbehandlung spricht der GKV-SV von 477 Neufällen und Forderungen in Höhe von rund 4,4 Millionen Euro. 13 Millionen Euro fallen auf den Bereich Arznei- und Verbandmittel. Die Zahl der verfolgten Fälle beträgt hier 2314. Insgesamt spricht der GKV-SV von gesicherten Forderungen in Höhe von circa 50 Millionen Euro. Dabei handele es sich um „Beitragsgelder, die vollständig wieder an die Solidargemeinschaft zurückfließen“, betont der GKV-SV.
Allein in dem einen Fall des Bottroper Apothekenskandals sei die Staatsanwaltschaft von einer Schadenssumme für die Krankenkassen in Höhe von über 50 Millionen Euro ausgegangen, teilt der GKV-SV mit. Das Landgericht habe den Apotheker wegen Abrechnungsbetrug zu Lasten der GKV in Höhe von 17 Millionen Euro verurteilt. Ob solche hohen Schäden aber jemals reguliert werden könnten, sei offen. Der Spitzenverband wünscht sich einen gesetzlichen Schutz für „Whistleblower“ und die Bildung bundesweiter Schwerpunktstaatsanwaltschaften. Außerdem fordert er den Gesetzgeber auf, eine organisations- und länderübergreifende GKV-Betrugspräventions-Datenbank aufzubauen. Darüber hinaus will der GKV-SV „neue kriminologische Forschungsprojekte jederzeit aktiv unterstützen“.