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04.05.2018

Biomarkerbasierte Brustkrebstest Gemeinsamer Bundesausschuss will Entscheidung bald treffen

Berlin (pag) – Ob und welche biomarkerbasierten Brustkrebstests in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden, soll in den nächsten sechs Monaten beschlossen werden. Derzeit befindet sich der G-BA im Stellungnahmeverfahren.

„30.000 Brustkrebs-Patientinnen erhalten pro Jahr eine vorbeugende Chemotherapie mit all ihren vielen Nebenwirkungen“, erläutert Prof. Dr. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der Universität München. Auf der Veranstaltung „Diagnostik Dialog“ diskutiert sie zusammen mit Ärzten, Patienten und Akteuren der Selbstverwaltung das Für und Wider des Tests. „Wie können wir unnötige Chemotherapien vermeiden, ohne die Heilungschancen zu gefährden?“, fragt sie. Seit zehn Jahren gebe es biomarkerbasierte Tests auf dem Markt, die das Risiko einer Neuerkrankung reduzieren könnten. Zumindest zwei der vier verfügbaren Genexpressionstests seien Harbeck zufolge nachweislich dafür geeignet. Sie sollten Teil der Regelversorgung werden – fordert die Ärztin. „Patientinnen mit niedrigem Risiko darf man keiner Chemotherapie aussetzen. Das ist Körperverletzung“, betont Harbeck. Ähnlich sieht es Prof. Christian Jakisch von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Sana Klinikum Offenbach. „Wie lange will man Innovationen noch zurückhalten?“, fragt er. Die Tests seien gut evaluiert, weiteres Abwarten bringe keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn. Auch Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft, plädiert für die Biomarker: „Wir wollen mit den Tests die informierte Entscheidung verbessern“, sagt er. Aber ihr Einsatz solle evaluiert werden, um daraus zu lernen.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kann dagegen weder einen Nutzen noch Schaden der Biomarkertests feststellen, sagt IQWiG-Experte Dr. Daniel Fleer. Das geht aus einer Analyse hervor, die das IQWiG im Auftrag des G-BA zur Nutzenbewertung durchführte. Um seriöse Aussagen treffen zu können, müsse ein größerer Beobachtungszeitraum gewählt werden – so Fleer. Die der Studie zugrundeliegenden fünf Jahre seien zu kurz gewählt. Denn viele Fernmetastasen würden erst in den Folgejahren auftreten. Der tatsächliche „Mehrwert“ könne erst beurteilt werden, wenn weitere Studienergebnisse vorliegen. Solange rät das Institut davon ab, die Biomarker in die Regelversorgung aufzunehmen. Veranstalter Herbert Rebscher, Geschäftsführer des Instituts für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der DAK, schlägt dagegen eine limitierte Erstattung der Tests mit gleichzeitiger Evaluierung vor.
Jedes Jahr müssen sich bis zu 40.000 Frauen entscheiden, ob sie nach einer Brustkrebsoperation eine ergänzende Chemotherapie durchlaufen. Die Behandlung ist oft mit schweren Nebenwirkungen verbunden. Fraglich bleibt der Nutzen der Therapie, da unklar ist, ob die Patientinnen überhaupt ein Rezidiv erleiden würden oder ihr Krebs auf die Chemotherapie ansprechen würde.