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18.11.2019

OECD-Studie Gesundheit wird teurer

Berlin/Paris (pag) – Bis 2030 werden die OECD-Länder im Schnitt rund 10,2 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Gesundheitskosten aufwenden – 1,4 Prozentpunkte mehr als bisher. Damit wachsen die Gesundheitsausgaben in fast allen Ländern schneller als die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, heißt es in einer OECD-Analyse.

Zu den Kostentreibern gehöre die steigende Zahl chronischer Erkrankungen, die auch auf die Bevölkerungsalterung zurückzuführen ist. Der Einsatz moderner Technik werde die Systeme leistungsfähiger, aber auch teurer machen. Und mit den steigenden Einkommen erhöhe sich die Erwartung an hochwertige Behandlungen.
Die Studie „Health at a glace 2019“ untersucht den Gesundheitszustand der Menschen und die Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme in allen 36 OECD-Ländern und acht weiteren Ländern. Die USA geben am meisten für Gesundheit aus: 16,9 Prozent des BIP in 2018. Die Schweiz belegt mit 12,2 Prozent Platz zwei, Deutschland mit 11,2 Prozent Platz drei.
Der Analyse zufolge ist der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen in der Bundesrepublik überdurchschnittlich gut: Das beitragsfinanzierte Leistungspaket sei umfangreich, pro Kopf gebe es mehr Ärzte und mehr Pflegepersonal als im OECD-Schnitt. „Bei den verfügbaren Krankenhausbetten gehört Deutschland zur Spitzengruppe“ – acht Betten pro 1.000 Einwohner gegenüber 4,7 im OECD-Schnitt.
Die hohe Verfügbarkeit von Personal und Infrastruktur gehe mit einer starken Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen einher. Außer Österreich registriere kein anderes OECD-Land so viele Krankenhauseinweisungen pro Kopf. Ein Grund dafür sei die vergleichsweise alte Bevölkerung. Auch werden laut OECD chronische Krankheiten, die ambulant behandelt werden könnten, häufiger als anderswo stationär behandelt. Beispiele dafür: Asthma/COPD und Herzinsuffizienz.
Die Deutschen liegen bei Lebenserwartung und vermeidbarer Sterblichkeit nur im OECD-Mittelfeld. Als Ursache wird die weite Verbreitung gesundheitsschädlicher Lebensstile angeführt: 18,8 Prozent der Deutschen rauchen, 60 Prozent sind übergewichtig. Im Schnitt trinkt jeder Deutsche im Jahr fast elf Liter puren Alkohol.