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04.09.2019

Welttag für sexuelle Gesundheit HIV/Aids ist für Schüler eine „Sache aus der Vergangenheit“

Hamburg (pag) – Am 4. September ist Welttag für sexuelle Gesundheit. Dass es bei jungen Menschen noch viel Aufklärungsbedarf zu diesem Thema gibt, weiß Marlon Jost von der Initiative Jugend gegen AIDS. Das Hamburger Projekt bildet Schüler aus, damit sie in ihren Schulen über sexuelle Gesundheit, Verhütung und verschiedene Körperthemen informieren.

„Sexualität und sexuelle Gesundheit ist in Deutschland noch viel zu oft ein Thema, was totgeschwiegen oder klein geredet wird. Es ist aber ganz normal, wichtig und gehört zum Leben dazu“, sagt Jost. „Viele, die bei uns aktiv sind – Schüler, Studenten, Azubis – haben selbst in der Schule bemerkt, dass Aufklärung dort kein großes Thema ist“, ergänzt er. Das Wissen, um sexuell aktiv zu sein, werde nur selten zielgruppenspezifisch vermittelt. Sehr viele junge Leute haben laut Jost deswegen viele unbeantwortete Fragen: Wo bekomme ich Kondome her? Wie benutze ich sie? Wie spreche ich darüber? „Die häufigste Frage: Ist mein Körper normal? Bin ich normal? Jeder denkt, er muss der Norm entsprechen“, weiß er. Manche hätten sich nicht getraut, im Aufklärungsunterricht eine Frage zu stellen. Viele können oder wollen nicht mit ihren Geschwistern darüber reden – auch die Eltern seien laut Jost nicht immer der beste Ansprechpartner. Hier wolle das „Projekt Aufklärung“ der Jugend gegen AIDS Orientierung bieten.

Kernarbeit der Initiative sind regionale Aufklärungsseminare, bei denen Schüler zu „Peer-Aufklärern“ in Rhetorik, Körpersprache und sexuellem Fachwissen ausgebildet werden. Danach sind sie in der Lage, zu zweit in ihrer eigenen Schule in einer jüngeren Klassenstufe einen Workshop zu diesen Themen anzubieten. Das Thema HIV und AIDS sei immer weniger Thema bei den Jugendlichen, weiß Jost: „Und wenn, dann wird es als eine Sache aus der Vergangenheit angesehen.“ In Schulklassen oder auf Festivals mit jungen Leuten merke er immer wieder, dass sich niemand so richtig von diesem Thema angesprochen fühlt und jeder denke, es betreffe ihn schon nicht: „Deswegen ist es für uns ganz wichtig, dass wir nicht nur auf HIV und AIDS, sondern auch auf alle anderen sexuell übertragbare Krankheiten aufmerksam machen.“