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18.02.2026

ArzneimittelInside Pharmadialog

Berlin (pag) – Bei der Pharma-Tagung des Handelsblattes gibt Thomas Müller Einblicke in den Pharmadialog. Dabei steht auch eine Entschlackung des AMNOG zur Diskussion. Dem Abteilungsleiter Arzneimittel im Bundesgesundheitsministerium (BMG) geht es darum, „die Chance zu nutzen, auch radikale Lösungen zu denken“.

In den sechs Arbeitsgruppen, die im Rahmen des Dialogs eingerichtet wurden, finden rege, teilweise intensive und kontroverse Diskussionen statt. Ein Schwerpunkt des Pharmadialogs ist die AG 3, die sich Nutzenbewertung und EU-HTA widmet. Müller berichtet dabei von zwei Diskussionslinien: Bei der ersten geht es um mögliche Änderungen der Bewertungskriterien. Dabei wird die Frage diskutiert, ob für bestimmte Patientengruppen spezielle Regeln geschaffen werden sollen – zum Beispiel bei kleinen Patientengruppen oder end-of-life-Situationen. In diesem Fall werde das AMNOG an bestimmte Patientengruppen angepasst, um möglichst viele klinisch relevante Ereignisse zu schaffen. Müller zufolge besteht die Gefahr des AMNOG darin, „Evidenzartefakte“ zu schaffen. Damit meint er: Die starke Fokussierung auf die Evidenz führt dazu, dass die klinische Relevanz ein Stück weit ausgeblendet wird. 

Die zweite Diskussionslinie verfolgt einen viel umfassenderen Ansatz: Anstatt sich „um die letzte Locke zu drehen“ (O-Ton Müller), sollen Kriterien für einen Verzicht auf das Verfahren gefunden werden. Müller nennt beispielhaft geringe Patientenzahlen oder einen Budget-Impact von unter 20 Millionen. Für den BMG-Vertreter handelt es sich dabei um einen sehr innovativen Ansatz für eine „Entschlackung des Verfahrens“.

Intensiv und kontrovers wird derzeit auch in der AG 4 „Preisbildung und Erstattung neuer Arzneimittel“ debattiert. Die Themenpalette reicht von der US-Pharmapolitik über die GKV-Arzneimittelausgaben und den vertraulichen Erstattungsbetrag bis hin zu den umstrittenen Leitplanken. Müller erwähnt auch das aktuelle Gutachten des Sachverständigenrats Gesundheit und Pflege, das mit seinen unterschiedlichen Vorschlägen zur Dämpfung der Preise neuer Arzneimittel eine „eher einseitige Perspektive“ darstelle, weil etwa Standortfragen komplett ausgeblendet würden. Ministerin Nina Warken (CDU) habe daher beschlossen, das Thema im Rahmen des Pharmadialogs zu beraten. 

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