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21.12.2020

Gesetzentwurf Kabinett macht ersten Schritt zu DMP Adipositas

Berlin (pag) – Das Bundeskabinett hat grünes Licht für das Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) gegeben. Im Rahmen des Gesetzes soll bis 2022 ein strukturiertes Behandlungsprogramm (DMP) für Adipositas auf den Weg gebracht werden.

Das DMP sei „Licht am Ende des Tunnels“, sagt Prof. Matthias Blüher, Leiter der Adipositas-Ambulanz für Erwachsene an der Uniklinik Leipzig, im Rahmen einer digitalen Gesprächsrunde des Pharmaunternehmens Novo Nordisk. Durch das DMP erwarten die Diskutierenden eine Anerkennung von Adipositas als chronische Erkrankung. Im Sozialgesetzbuch sind sogenannte lebensstil-assoziierte Probleme, wie Haarausfall oder Adipositas, ausgenommen von der Erstattung, erklärt Blüher. Es werde immer schwerer nachvollziehbar, bei Adipositas „den Zugang zu einem sicheren und effektiven Therapiekonzept zu verwehren“.

Mit der Kategorisierung als Lifestyle-Erkrankung gehe auch eine Stigmatisierung einher, bestätigt Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Sprecherin für Gesundheitsförderung der Grünen-Bundestagsfraktion. Oft würden Patienten mit Übergewicht beim Arztbesuch auf ihre Adipositas reduziert. Auf der einen Seite gebe man den Patienten die Schuld an der eigenen Erkrankung, auf der anderen Seite würden keine adäquaten Behandlungsmethoden übernommen und bezahlt. Mit einem DMP „gibt es einen selbstverständlichen Anspruch auf eine angemessene gestufte Therapie“, sagt Kappert-Gonther.

Nun gehe es darum, das DMP mit Leben zu füllen. „Wir werden eine Zeitschiene festlegen, weil wir nicht wollen, dass es zwischendrin versandet“, sagt Alexander Krauß (CDU), Mitglied im Gesundheitsausschuss. Die Krankenkassen müssten noch von der Sinnhaftigkeit überzeugt werden. „Wir haben dort noch einige, die uns Steine in den Weg legen könnten.“ Ernährungsberatung müsse ebenfalls berücksichtigt werden, fordert die SPD-Bundestagsabgeordnete Nezahad Baradari. Diese koste im Praxisalltag viel Zeit, mindestens 30 Minuten. Deshalb sei es ihr sehr wichtig, dass es im DMP „für eine Ernährungsberatung eine EBM-Ziffer und dementsprechend eine Honorierung geben muss“.