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22.03.2018

AOK Kasse fordert mehr Zentralisierung und Spezialisierung bei Kliniken

Berlin (pag) – Die deutsche Kliniklandschaft krankt an Überkapazitäten und Zersplitterung. Diese Botschaft verbreiten der AOK-Bundesverband und das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) anlässlich der Vorstellung ihres neuen Krankenhausreports. 

Für den Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbandes wäre es bereits ein deutlicher Schritt, wenn zukünftig Kliniken mit mehr als 500 Betten hierzulande nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel bildeten. Martin Litsch fordert einen qualitätsorientierten Umbau der Klinikstrukturen und ein „Ende der Gelegenheitsbehandlungen“. Vom Plan der großen Koalition, die Pflege im Krankenhaus nicht mehr über Fallpauschalen zu vergüten, hält er nichts. Stattdessen macht er sich dafür stark, den Strukturfonds zur Umgestaltung der stationären Versorgung aufzustocken. „Man kann die Krankenhauslandschaft nicht mit nur einer Milliarde umstrukturieren“, findet Litsch.
WIdO-Chef Jürgen Klauber stellt konkrete Beispiele vor, wie die Landesplanung die Versorgung durch Zentralisierung verändern könnte. Beispiel Darmkrebs: Würden bundesweit nur 385 Kliniken – anstelle von 1.000 aktuell – das kolorektale Karzinom operieren, würde sich der mittlere Anfahrtsweg bundesweit von 8 auf 16 Kilometer verlängern. Der Bevölkerungsanteil mit einem Anfahrtsweg von über 50 km erhöhte sich von 0,03 auf 2,5 Prozent. Bei Kolonkarzinomoperationen liegt das Risiko, schon während des Krankenhausaufenthaltes zu versterben, in Nicht-Zentren um 21 Prozent höher als bei Zentren, die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert sind. Bei Rektumkarzinomoperationen unterscheidet sich das Risiko sogar um 65 Prozent. Nicht nur bei Krebsoperationen, auch bei anderen planbaren Eingriffen wie Hüftprothesenoperationen und in der Notfallversorgung sei eine stärkere Zentralisierung nötig und möglich, sagt Klauber. „Wenn sich die Therapiequalität erhöht und Überlebenschancen besser werden, sollten etwas längere Fahrstrecken kein Thema sein.“ Befragungen zufolge würden die Menschen schon jetzt längere Wege in Kauf nehmen, um in guten Krankenhäusern versorgt zu werden.