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12.09.2018

Arbeitsminderungsbescheinigung Krankschreibung light

Berlin (pag) – Krankgeschrieben oder zur Arbeit – offiziell gibt es nichts dazwischen. Das will der Marburger Bund (MB) für psychisch-erkrankte Menschen geändert wissen und schlägt die Einführung einer Arbeitsminderungsbescheinigung vor. Der Erkrankte arbeitet dann nur einige Stunden am Tag.

„Viele der erkrankten Arbeitnehmer könnten wahrscheinlich schneller genesen und würden weniger lange dem Arbeitsprozess fernbleiben, wenn es nicht nur die Wahl zwischen Arbeitsfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit gäbe“, meint MB-Bundesvorsitzender Dr. Rudolf Henke. Bei psychischen Störungen führe eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht selten zu einer Verstärkung der Symptomatik, oft komme Angst um den Arbeitsplatz hinzu. Eine Arbeitsminderungsbescheinigung könne sich positiv auf den Heilungsprozess auswirken. Der Kranke bleibe in Kontakt mit seinen Kollegen und habe eine Tagesstruktur. „Der Arzt müsste beispielsweise verordnen können, dass ein Patient vier oder sechs Stunden Schonung bekommt“, schlägt Henke vor und ergänzt: „Ich bin sicher, dass durch eine Bescheinigung der Arbeitsminderung viele Fälle von längerer Arbeitsunfähigkeit verhindert werden und Patienten ihre Krankheit besser bewältigen können.“ Der Betroffene müsse natürlich zustimmen.

Der Vorschlag erinnert an das Hamburger Modell der Wiedereingliederung. Diese sei allerdings eine Maßnahme der medizinischen Rehabilitation, sagt MB-Pressesprecher Hans-Jörg Freese, „die Parallele zeigt aber, dass unser Vorschlag nicht systemfremd ist“.
 
Medienberichten zufolge steht der Deutsche Hausärzteverband der Idee kritisch gegenüber, sie sei in der Praxis kaum umsetzbar. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kann sich mit der Idee anfreunden, vor einer Teilkrankschreibung müsse aber die Wiedereingliederung erfolgen. Der Deutsche Ärztetag habe im Frühjahr die Initiative befürwortet, berichtet der MB.