GKV-SVLotsenfunktion der Krankenkassen stärken
Berlin (pag) – Krankenkassen sollten tagesaktuelle Versorgungsdaten erhalten und nutzen dürfen, fordert der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) in einem Positionspapier. Damit könnten sie individuellere Prävention und Versorgung gestalten. Beschlossen wird das Papier „Digitalstrategie für eine zukunftsgerichtete Gesundheitsversorgung“ am 5. Dezember vom GKV-SV-Verwaltungsrat.
Digitalisierung sei ein „Innovationsmotor“, erklärt die Verwaltungsratsvorsitzende Dr. Susanne Wagenmann. Unter anderem müsse die elektronische Patientenakte zur zentralen Plattform weiterentwickelt werden. Der Verwaltungsratsvorsitzende Uwe Klemens fordert, dass Krankenkassen „stärker als bisher die Möglichkeit haben sollten, digitale Lotsinnen zu sein, die entlang des gesamten Behandlungspfades wirken und Versicherte beim Zugang in die richtige Versorgungsebene unterstützen.“ Dazu müsste gesetzlich nachjustiert werden, etwa um den Versicherten auf Basis taggleich übermittelter Daten aus der Versorgung personalisierte Präventions- und Versorgungsangebote anbieten zu können. Die Autoren des 18-seitigen Papiers mahnen auch an, die gematik zu reformieren. Weiterhin spricht sich der GKV-SV etwa für patientenzentrierte Digitalisierung und ein Update der Telematikinfrastruktur 2.0 sowie digitaler Identitäten aus.
Durch Digitalisierung „können wir den Service für unsere Versicherten verbessern, Wartezeiten auf Termine reduzieren und Kosten einsparen“, applaudiert der Chef der Techniker Krankenkasse Dr. Jens Baas. „Wenn wir es schaffen, die medizinische Datenbasis für Versicherte zu vergrößern, können wir Gesundheitsrisiken erkennen, bevor Krankheiten entstehen und rechtzeitig entgegenwirken.“ Weniger begeistert reagiert die Vorständin der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) Nicole Löhr. „Die Krankenkassen wollen an den etablierten ambulanten Versorgungsstrukturen vorbei Teile der Patientenbehandlung übernehmen. Das ist nicht ihre Aufgabe!“, ärgert sich die KVN-Vorständin. Die Vorstellungen des GKV-SV stellten das Prinzip der gemeinsamen Selbstverwaltung sowie die damit einhergehende Aufgabenverteilung zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern infrage. Das Gesundheitssystem wandle sich nach den Wünschen der Krankenkassen zu einem Krankenkassen-dominierten System mit neuen Prioritäten – denen der alleinigen Kosteneinsparungen bei der Versichertenversorgung, kritisiert Löhr.