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15.04.2026

UmfrageMachtmissbrauch und sexuelle Belästigung im Klinikalltag

Berlin (pag) – Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung sind relevante Probleme im Klinikalltag. Das zeigt eine bundesweite Mitgliederbefragung des Marburger Bundes, an der 9.073 angestellte Ärztinnen und Ärzte teilgenommen haben, die zu 90 Prozent in Krankenhäusern arbeiten.

Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) berichtet, in den vergangenen zwölf Monaten Machtmissbrauch durch ärztliche Beschäftigte erlebt zu haben. Die Vorfälle treten häufig wiederholt auf. Die Hälfte der Betroffenen (51 Prozent) erlebt sie mehrmals im Jahr, ein erheblicher Anteil sogar monatlich (30 Prozent) oder wöchentlich (14 Prozent). Weit überwiegend geht der Machtmissbrauch von männlichen ärztlichen Vorgesetzten aus.

Am häufigsten äußert sich Machtmissbrauch in einem respektlosen und herablassenden Umgangston. An zweiter Stelle rangiert die grundlose Infragestellung der fachlichen Kompetenz, am dritthäufigsten kommen Mobbing oder öffentliche Bloßstellung vor, zum Beispiel vor dem Team oder vor Patienten. Drei Viertel der Betroffenen verzichten auf eine Meldung, weil sie keine wirksamen Konsequenzen erwarten, berufliche Nachteile befürchten oder keine vertraulichen Meldewege sehen. Die Folgen von Machtmissbrauch sind erheblich: Viele Betroffene berichten von emotionaler Erschöpfung und anhaltender Anspannung, von verminderter Arbeitsmotivation und äußern den Wunsch, die Abteilung oder den Arbeitsplatz zu wechseln. 

Für Dr. Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes, ist Machtmissbrauch ein „zentrales Strukturproblem im ärztlichen Arbeitsalltag“. Sie appelliert an die Häuser, klare Leitbilder zu entwickeln, verbindliche Richtlinien vorzugeben und Grenzüberschreitungen konsequent zu ahnden. 

Der Umfrage zufolge ist auch sexuelle Belästigung ein relevantes Problem: 13 Prozent der Befragten berichten von entsprechenden Erfahrungen in der kurzen Zeitspanne der vergangenen zwölf Monate. Am häufigsten handelt es sich um sexualbezogene Kommentare oder abwertende Sprüche sowie um unerwünschte Gespräche mit sexuellem Inhalt. Auch unerwünschte körperliche Nähe wird von vielen Betroffenen genannt.

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