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01.09.2026

Adipositas-VersorgungMedikamente treffen auf Versorgungslücken

Berlin (pag) – Am 1. September kommt ergänzend zu den Abnehmspritzen erstmals ein Adipositas-Medikament als Tablette mit dem Wirkstoff Semaglutid auf den deutschen Markt. Anlass für die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG), auf den großen Handlungsbedarf in der Versorgung Betroffener hinzuweisen.

Etwa jede vierte Person in Deutschland sei stark übergewichtig, doch das Disease-Management-Programm (DMP) Adipositas werde bislang in keinem Bundesland angeboten. DDG und DAG drängen daher auf eine zügige Umsetzung. Noch fehlten die vertraglichen Voraussetzungen durch die Kassenärztliche Vereinigungen und die Krankenkassen, damit die DMP in den Bundesländern starten können. „Moderne Therapieoptionen sind verfügbar. Entscheidend ist aber, dass sie individuell und risikoadaptiert eingesetzt und in eine langfristige, strukturierte Behandlung eingebettet werden“, betont DDG-Präsidentin Prof. Julia Szendrödi. Genau diese Strukturen fehlten derzeit vielerorts.

Ein weiterer Streitpunkt sei die Erstattung: Der sogenannte „Lifestyle-Paragraf“ schließt Arzneimittel von der Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung aus, wenn nicht die Behandlung einer Krankheit, sondern vor allem eine Steigerung der Lebensqualität im Vordergrund steht. 

„Klinische Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die mit schweren Begleit- und Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettlebererkrankung, Gelenkproblemen, obstruktiver Schlaf-Apnoe und bestimmten Krebserkrankungen verbunden sein kann“, sagt DAG-Präsident Prof. Matthias Laudes, Deshalb sprechen sich die beiden Fachgesellschaften dafür aus, die Erstattungsfähigkeit moderner Medikamente unter klar definierten Bedingungen neu zu bewerten. Für Semaglutid sei beispielsweise gezeigt worden, dass es bei bestimmten Menschen mit Adipositas das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen senke. „Nicht allein der BMI sollte über die Therapie entscheiden“, verlangt Laudes. Entscheidend seien das individuelle gesundheitliche Risiko und bereits bestehende Adipositas-assoziierte Erkrankungen. Menschen mit klinischer Adipositas und hohem Risiko sollten gezielt Zugang zu wirksamen modernen Therapien erhalten, fordern die Experten.

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