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24.06.2026

Ärzte CodexMedizin vor Ökonomie

Wiesbaden (pag) – Der Ärzte Codex der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) soll künftig zu den ethischen Grundlagen ärztlichen Handelns gehören, die Ärztinnen und Ärzte in ihrer Weiterbildung erlernen. Das hat der Deutsche Ärztetag im Rahmen der Weiterentwicklung der Musterweiterbildungsordnung (MWBO) beschlossen. Die DGIM begrüßt diesen Schritt als wichtiges Signal angesichts einer zunehmenden Ökonomisierung in der Medizin.

Wenn im Gesundheitswesen über Einsparungen, Strukturreformen oder die Kosten von Arzneimitteln diskutiert wird, stellt sich für Ärztinnen und Ärzte stets die Kernfrage: Dient eine geplante Maßnahme der besseren Versorgung, der Kostensenkung oder der Gewinnoptimierung? Unter dem Leitgedanken, dass im Zweifelsfall die medizinisch begründete Entscheidung den absoluten Vorrang vor betriebswirtschaftlichen Vorgaben haben muss, hat die DGIM den Ärzte Codex „Medizin vor Ökonomie“ ins Leben gerufen. „Der Codex soll Ärztinnen und Ärzten Orientierung geben, die Entscheidungen häufig unter Zeit-, Kosten- oder Strukturdruck treffen müssen“, sagt Prof. Petra-Maria Schumm-Draeger, die diese ethische Selbstverpflichtung als DGIM-Vorsitzende im Jahr 2017 initiiert hat. Mehr als 40 Verbände, medizinische Fachgesellschaften sowie zahlreiche Einzelpersonen unterstützen den Ärzte Codex. 

Jetzt soll der Ärzte Codex in die Allgemeinen Inhalte der MWBO aufgenommen werden und neben dem Genfer Gelöbnis und der Deklaration von Helsinki als weiterer ethischer Bezugspunkt dienen. Die Allgemeinen Inhalte der MWBO geben vor, welche übergreifenden Kompetenzen, Haltungen und Rollen Ärztinnen und Ärzte im Laufe der Weiterbildung erwerben. Rechtlich verbindlich sind die Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern, die die MWBO in eigener Zuständigkeit umsetzen. 

Der DGIM zufolge nimmt der betriebswirtschaftliche Druck auf Ärztinnen und Ärzte gerade in der aktuellen Debatte um Einsparungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung, die Krankenhausreform und die Ambulantisierung zu. „Gerade deshalb ist es für junge Ärztinnen und Ärzte wichtig, einen klaren ethischen Maßstab an ihr Handeln anzulegen und stets das Patientenwohl in den Vordergrund zu stellen“, sagt Schumm-Draeger.