WeltkrebstagMedizinisch geheilt – gesellschaftlich diskriminiert
Berlin (pag) – Anlässlich des am 4. Februar stattfindenden internationalen Weltkrebstages lenkt die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs den Blick auf junge Betroffene. Für sie bedeute eine überstandene Erkrankung häufig nicht das Ende der Belastung. Die Stiftung sieht dringenden politischen Handlungsbedarf.
Für junge Menschen zwischen 18 und 39 Jahren fällt eine Krebsdiagnose in eine Lebensphase, die von Ausbildung, Berufseinstieg, finanzieller Unabhängigkeit und Familienplanung geprägt ist. Viele erleben, dass die Folgen der Erkrankung weit über die medizinische Behandlung hinausreichen. Auch Jahre nach der Heilung sehen sie sich mit bürokratischen Hürden konfrontiert, etwa bei Versicherungen, Krediten oder beruflichen Perspektiven. Die frühere Krebserkrankung bleibt präsent und wirkt als soziales Stigma fort. Für viele Betroffene ist dies eine Retraumatisierung, die Angst, Wut, Verzweiflung und Resignation auslöst.
Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs setzt sich für das Recht auf Vergessenwerden ein. Dieses besagt, dass eine überstandene Krebserkrankung nach einer sogenannten Heilungsbewährung von fünf Jahren ohne Rezidiv nicht mehr angegeben werden muss und nicht länger gegen Betroffene verwendet werden darf – etwa bei Versicherungen, Krediten oder im Rahmen von Verbeamtungen.
Der Stiftung zufolge agieren andere EU-Mitgliedstaaten deutlich progressiver. In neun europäischen Ländern, darunter Frankreich, Belgien und die Niederlande, sei dieses Recht bereits gesetzlich verankert. In Deutschland bestehe dringender Nachholbedarf. „Ein erster Schritt wäre die Umsetzung der europäischen Verbraucherkreditrichtlinie in nationales Recht, die bislang aussteht, obwohl sie bereits im November hätte verabschiedet werden müssen“, verlangt die Stiftung. Die Kuratoriumsvorsitzende, Prof. Inken Hilgendorf, betont: „Wer medizinisch als geheilt gilt, darf nicht benachteiligt werden. Wir fordern ein verbindliches Recht auf Vergessenwerden mit klaren Fristen und einheitlichen Regelungen, damit junge Menschen faire Chancen auf dem Weg zurück ins Leben nach einer Krebserkrankung erhalten.“