Direkt zu:

13.09.2018

Arzneimittelskandal Mehr Macht fürs BfArM gewünscht

Berlin (pag) – Erwin Rüddel (CDU), Vorsitzender des Bundesgesundheitsausschusses, fordert mehr Einfluss für das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Zuvor haben sich Behördenchef Prof. Karl Broich und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ähnlich geäußert.

„Die Fälle Valsartan und Lunapharm haben gezeigt, dass es – bedingt durch insgesamt 37 Überwachungsbehörden in den Ländern – zu Verzögerungen und Lücken in der Aufsicht kommt“, sagt Rüddel. „Ich teile deshalb die Ansicht von Herrn Broich, dass die Bundesbehörde den Landesbehörden Anweisungen geben können muss, um Gefahr für Patienten abzuwenden.“ Ein erster wichtiger Schritt sei, dass die Länder die Harmonisierung des Vollzugs der arzneimittel-, apotheken- und betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften im Visier haben. Die geplante Einrichtung einer Expertenfachgruppe zum Erfahrungsaustausch im Bereich der Apothekenüberwachung durch die Bundesländer heißt Rüddel gut. Künftig sei es wichtig, dass das BfArM bei einem Verdacht konkret einbezogen werde und dann den Landesbehörden gegenüber weisungsbefugt ist.
Nach Einschätzung der Bundesregierung bestehe keine akute Gefahr für Valsartan-Patienten, heißt es in einer Antwort (Drucksache 19/4073) auf eine Kleine Anfrage (19/3804) der Fraktion Die Linke im Bundestag. Nach Bekanntwerden der Verunreinigungen wurden die betroffenen Chargen zurückgerufen, so die Regierung. Die Europäische Arzneimittelagentur werde das Risiko analysieren. Da ein eigenmächtiges Absetzen des Medikaments zu erheblichen gesundheitlichen Risiken hätte führen können, wurden Patienten von Ärzten und Apothekern informiert. Die Europäische Kommission wolle zudem die mögliche zusätzliche Zahl von Krebserkrankungen durch die Einnahme der verunreinigten Arzneimittel abschätzen, teilt die Regierung weiter mit. Sie habe errechnet, dass etwa 900.000 Patienten solche Medikamente bezogen haben könnten.