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10.05.2019

ePA Mehrwert oder medizinisches Poesiealbum?

Berlin (pag) – Digitalisierung zum Selbstzweck – dem erteilt Christian Klose, eine klare Absage. „Wir müssen einen Mehrwert aufzeigen“, betont der Leiter der Unterabteilung „Digitalisierung und Innovation“ im Bundesgesundheitsministerium gleich mehrfach auf dem „Forum Wissen und Gesundheit“. Veranstalter sind der Marburger Bund (Landesverband Berlin/Brandenburg) und der Tagesspiegel. Der Titel lautet „Der gläserne Patient“.

Großen Raum nimmt die elektronische Patientenakte (ePA) bei den zwei Diskussionsrunden ein. Diese „kann dazu beitragen, dass Menschen gesund bleiben“, nennt Klose auf dem ersten Podium mit Vertretern der Politik einen Mehrwert. Doch was nützen Mehrwerte, wenn der Bürger Angst vor Datenmissbrauch hat? Susanne Mauersberg von der Bundeszentrale Verbraucherverband plädiert deswegen für Aufklärung: „Wir brauchen Erklärfilme“, sagt sie. Doch Sicherheitsbedenken sind nicht unbegründet. Das räumt in der zweiten Diskussionsrunde mit Vertretern aus der Praxis auch Christian Rebernik ein, Gründer der Gesundheitsapp Vivy, mit der viele Kassen arbeiten. Anwendungen müssten „sicherer als eine Bank“ sein. Bei seiner App soll nur der Nutzer Zugang haben. Mit einer zu hohen Patientenorientierung bei der ePA hat Prof. Ulrich Frei, ärztlicher Direktor an der Berliner Charité, Probleme. Er kommt ebenfalls in der zweiten Diskussionsrunde zu Wort. Wenn der Patient bestimmt, was in der Akte hinterlegt wird, entstehe „eine Art medizinisches Poesiealbum“. Das sei ein Risiko, warnt er. Denn der Patient könne selbst nicht immer entscheiden, was wichtig ist und was nicht.
Doch nicht nur Sicherheitsbedenken spielen eine Rolle, sondern auch der Stand der digitalen Entwicklung. Und dort stehe Deutschland im europäischen Vergleich im „hinteren Drittel“, wie Klose einräumt. Er blickt allerdings optimistisch in die Zukunft: „Wir können extrem viel aufholen.“