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06.05.2024

Suizidprävention Methodenrestriktion und Papageno-Effekt nutzen

Berlin (pag) – Die hiesige Suizidrate ist mit rund 10.000 Suiziden per annum auf hohem Niveau. Aus den Daten des Statistischen Bundesamtes geht für 2022 ein unerwarteter Anstieg von nahezu zehn Prozent hervor: von 9.215 Suiziden in 2021 auf 10.119 in 2022. Diese Zahl möchte die Ampel senken – mit einer Nationalen Suizidpräventionsstrategie. Vorgestellt wird sie auf einer Pressekonferenz.

Etwa drei Viertel aller Suizide werden von Männern ausgeführt. Hierzulande nimmt die Suizidrate mit dem Lebensalter zu. Zudem steigt das Suizidrisiko für Personen mit psychischen Erkrankungen um bis zu 90 Prozent. Diese Hochrisikogruppen soll die Präventionsstrategie gezielt adressieren.

In Deutschland starben 2022 deutlich mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Mord und Totschlag, illegale Drogen und AIDS zusammen. „Über Mord wird in Deutschland jeden Tag gesprochen“, dabei kommen Suizide 50 Mal häufiger vor, vergleicht Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach. Dennoch tabuisiert die Gesellschaft Suizide. Der Minister möchte das Thema aus dieser Tabuzone befreien. Dafür sei Fingerspitzengefühl geboten. In der medialen Berichterstattung sei sachlich und wenig detailliert vorzugehen. Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention Dr. Ute Lewitzka erinnert an den Papageno-Effekt: Wenn Medien über Personen berichten, die eine Lebenskrise meisterten, beeinflussen sie mit positiven Vorbildern.

Auch die sogenannte Methodenrestriktion nimmt einen hohen Stellenwert in der Prävention ein. Lauterbach erklärt: Wenn Menschen der Zugang zu einer bestimmten Suizidgelegenheit verwehrt wird, weichen sie zumeist nicht auf eine andere aus. Häufig sei die Entscheidung zu Suizid von starker Ambivalenz geprägt – eine Kurzschlussreaktion. Um ein besseres Bild über Methoden und Hotspots zu bekommen, wird ein Suizidregister mit pseudonymisierten Daten etabliert. Zudem soll eine bundesweite Website vertiefte Informationen zu Thematik, Hilfs- und Präventionsangeboten anbieten. Weiterhin denkbar: ein bundesweiter Krisendienst, der rund um die Uhr in Anspruch genommen werden kann.