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14.06.2017

AMNOG-Prozess Patientenperspektive zu wenig berücksichtigt?

Berlin (pag) – Weiterentwicklungsbedarf bei der frühen Nutzenbewertung neuer Arzneimittel haben Experten auf einer Veranstaltung von Bayer Vital aufgezeigt. Prof. Axel Mühlbacher kritisiert, dass die Perspektive der Patienten in dem Prozess eine zu geringe Rolle spiele.

In seinem Vortrag führt der Gesundheitsökonom aus, dass die Frage, welche Entscheidungskriterien bei der Bewertung aus Sicht der Patienten wichtig sind und wie diese gegeneinander gewichtet werden können, weitgehend unberücksichtigt bleibe. Auch müsse die Perspektive von Betroffenen nicht zwangsläufig mit der von Experten deckungsgleich sein. Zwar habe das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bisher drei Pilotstudien zu Patientenpräferenzen durchgeführt. „Von einer regelhaften und systematischen Berücksichtigung von wissenschaftlichen Studien zu den Patientenpräferenzen ist man in Deutschland heute jedoch noch weit entfernt", kritisiert der Wissenschaftler der Hochschule Neubrandenburg.
Auch Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), weist auf die unterschiedlichen klinischen Endpunkte hin, die zur Bewertung der Arzneimittel herangezogen werden – wie krankheitsfreies Überleben, progressionsfreies Überleben, Lebensqualität und Gesamtüberleben. Es gebe jedoch noch keine allgemein anerkannte und für alle zufriedenstellende Einigung, wie damit im einzelnen umgegangen werden soll. Bruns zufolge zielt die Zulassung primär darauf ab, die Behandlungssituation von Patienten zu verbessern, bei der Bewertung im Rahmen des AMNOG-Prozesses zähle hauptsächlich die Kostenersparnis. Der Zusatznutzen gegenüber dem bisherigen Therapiestandard werde erst dann anerkannt, wenn eines neues Medikament das Gesamtüberleben deutlich verbessere. „Diese Diskrepanz macht deutlich, dass die Perspektiven in der konkreten Versorgungssituation oft nur schwer mit Kostenüberlegungen vereinbar sind“, heißt es im Statement des DKG-Vertreters.
Die rigide Methodik der Nutzenbewertung müsse erweitert und es sollte transparent gemacht werden, welche Werturteile im Prozess stecken, verlangt schließlich Marco Annas, Leiter Gesundheitspolitik bei Bayer Vital. Er bedauert, dass momentan viele ärztliche Erkenntnisse „auf der Straße liegen bleiben“.