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26.07.2017

Gutachten Wie es um die Intensivpflege steht

Berlin (pag) – „Die Pflege im Intensivbereich ist objektiv gut“, sagt Thomas Reumann, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), anlässlich der Vorstellung eines neuen Gutachtens. Das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) hat im Auftrag der DKG die „Personalsituation in der Intensivpflege und Intensivmedizin“ analysiert.

Der repräsentativen Erhebung zufolge lag im Jahresdurchschnitt 2015 das Verhältnis von Intensivpatienten zu Pflegekräften bei 2,2 Fällen pro Schicht und Pflegekraft. Die Empfehlung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) eines Pflegekraft-zu-Patienten-Verhältnisses von zwei Fällen pro Schicht und Pflegekraft werde damit im Mittel in etwa erreicht, hebt die DKG hervor. Das DKI-Gutachten belegt außerdem, dass drei Viertel aller Krankenhäuser die Fachkraftquote in der Intensivpflege erfüllen. Diese liegt durchschnittlich bei 44 Prozent je Krankenhaus, zum Vergleich: Die DIVI empfiehlt mindestens 30 Prozent.
DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum sagt auf der Pressekonferenz, dass es trotz guter Ausgangslage „örtliche, regionale und Zukunftsprobleme“ gebe. 53 Prozent der Kliniken haben Schwierigkeiten, Pflegestellen im Intensivbereich zu besetzen. Bundesweit sind in der Intensivpflege derzeit 3.150 Stellen vakant, 2011 waren es 1.200 unbesetzte Stellen. Über alle Fachbereiche können bundesweit über 10.000 Pflegestellen nicht besetzt werden. „Die Kliniken beschäftigen nicht zu wenig Pflegekräfte, weil sie sparen, sondern weil es sie nicht gibt“, so Baum.
Die Gewerkschaft ver.di kritisiert das Gutachten. „Nichts ist gut in der Intensivpflege", sagt Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. Aus den Berichten der Beschäftigten und den ver.di vorliegenden Gefährdungsanzeigen werde deutlich, dass bei dem Verhältnis von Pflegekraft zu Patienten eins-zu-drei statt einer Ausnahme die Regel sei. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) fordert die DKG auf, die eigene verfehlte Prioritätensetzung zu korrigieren. „An der Fluktuation und einer Vielzahl unbesetzter Pflegestellen lässt sich inzwischen ablesen, dass Pflegefachpersonen nicht länger bereit sind, sich unter Wert zu verkaufen und miserable Bedingungen hinzunehmen“, sagt DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel.