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06.10.2017

Ärzteabstimmung Einsatz von Methadon als Krebsmittel nicht gerechtfertigt

Berlin (pag) – Methadon als Krebsmedikament sehen Ärzte weiterhin kritisch. Das zeigt eine Debatte auf der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Dort votieren die über 1.000 Teilnehmer nahezu einstimmig gegen einen momentanen Einsatz bei Krebspatienten.

Beim derzeitigen Wissensstand sei der Gebrauch als Krebsmedikament nicht gerechtfertigt. Sinnvoll seien kontrollierte klinische Studien unter Beteiligung der Fachgesellschaft, die auch den derzeitigen Fortschritt in anderen Bereichen der medikamentösen Tumortherapie berücksichtigen, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO).
Bei der Debatte „Methadon als Tumortherapeutikum? Pro und Contra“ vertritt Dr. Claudia Friesen vom Universitätsklinikum Ulm die Pro-Position. Sie stellt ihre Forschungsergebnisse von In-Vitro-Versuchen vor, in deren Rahmen sie durch die Gabe von Methadon eine Wirkverstärkung des antitumoralen Effektes bei gleichzeitiger Gabe von Chemotherapie beobachten konnte. Darüber hinaus präsentiert Friesen Bilder und Krankheitsverläufe von einzelnen Patienten, bei denen es unter der Gabe von Methadon zusammen mit Chemotherapie zu einer Krebsrückbildung gekommen sei. Weitere klinische Studien seien in Planung.
Die Contra-Position übernimmt Privatdozent Dr. Ulrich Schuler vom Universitäts PalliativCentrum am Universitätsklinikum Dresden. Mit Blick auf die angeführten Fallbeispiele macht er deutlich, dass unter anderem aufgrund der geringen Fallzahlen und einer fehlenden Objektivierung durch externe Kontrollen eine zuverlässige Interpretation der Befunde nicht möglich sei. Neben der fehlenden Dokumentation weist Schuler auf belastende, auch gefährliche Nebenwirkungen von Methadon hin. Seine Zusammenfassung lautet: Die Übertragung von In-Vitro-Effekten auf die Situation im Menschen vor dem Hintergrund fehlender klinischer randomisierter Daten ist wissenschaftlich und ethisch nicht zulässig.
In der Diskussion beklagen Ärzte vor allem, dass durch die ungeprüften Behauptungen zur Methadon-Therapie bei den Patienten große Hoffnungen geweckt wurden, die sich durch die aktuelle Evidenzlage und die praktischen Erfahrungen nicht rechtfertigen lassen.